Ärzte Zeitung, 15.02.2017
 

Zika-Virus

Assoziation zu neurologischen Krankheiten

Bei einer Infektion mit dem Zika-Virus im ersten Schwangerschafts-Trimenon könnte das Mikrozephalie-Risiko für das Kind bei bis zu 47 Prozent liegen.

Vor einem Jahr machten Zika-Virus-Infektionen und der mögliche Zusammenhang zur fetalen Mikrozephalie Schlagzeilen. Im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien stellte die Weltgesundheitsorganisation ein international relevantes Gesundheitsrisiko (Public Health Emergency of International Concern)fest. Dieses Risiko besteht nach einem WHO-Statement vom 18. November 2016 nun nicht mehr.

Inzwischen gelte die Kausalität zwischen Zika-Virus-Infektion und fetaler Mikrozephalie oder auch dem Guillain-Barré-Syndrom bei Erwachsenen als "wissenschaftlich (fast) gesichert", stellt die Arbeitsgemeinschaft für Infektionen und Infektionsimmunologie der Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) in einer Stellungnahme fest.

Weltweit existierten mehr als 1600 bestätigte Fälle einer Mikrozephalie und/oder einer Malformation des zentralen Nervensystems, so Professor Ioannis Mylonas von der LMU München und seine Kollegen (Gynäkologe 2016; 49: 786-794). Waren bis 2007 nur sporadische Zika-VirusInfektionen – vor allem in tropischen Regionen Afrikas und in Südostasien – zu beobachten, werden seit zehn Jahren gehäuft epidemische Ausbrüche registriert, besonders auch auf dem amerikanischen Kontinent.

Für Europa wird das Risiko als gering bis mäßig eingeschätzt – mit zwei Ausnahmen: der portugiesischen Insel Madeira sowie der nordöstlichen Schwarzmeerküste Georgiens und Russlands. Denn dort kommt der primäre Vektor des Virus, die Mücke Aedes aegypti, vor.

Weitere Moskito-Arten wie die asiatische Tigermücke könnten ebenfalls zur Verbreitung beitragen, nicht jedoch die in Deutschland beheimatete gemeine Hausmücke und verwandte Arten, wie kürzlich das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin mitgeteilt hat. Für den Mittelmeerraum besteht ein moderates Risiko.

Außer über Mückenstiche ist die Übertragung beim ungeschützten vaginalen Geschlechtsverkehr möglich, zumindest vom Mann auf die Frau. Inwiefern die Übertragung von Frauen auf ihre Partner erfolgen kann, bedürfe noch der Klärung, so die DGGG.

80 Prozent der Infektionen verlaufen asymptomatisch oder mild mit Hautausschlag, Fieber, Arthralgie und nicht-eitriger Bindehautentzündung.Schwere klinische Verläufe sind selten. Differenzialdiagnostisch sind Dengue- oder Chikungunya-Virus-Infektionen in Betracht zu ziehen.

Allerdings verdichten sich Hinweise auf eine Assoziation von Zika-Virus-Infektionen mit neurologischen Erkrankungen. So war in Französisch-Polynesien während eines Ausbruchs im Jahre 2013 die Inzidenz des Guillain-Barré-Syndroms um das 20-Fache erhöht. Anhand dieser Epidemie war das Mikrozephalie-Risiko bei Kindern von Müttern, die sich im ersten Trimenon infiziert hatten, auf etwa ein Prozent geschätzt worden. Die Analyse der Epidemie in Brasilien ergab dagegen ein Risiko von 47 Prozent. Bei einer Infektion im zweiten oder dritten Trimenon scheint das Mikrozephalie-Risiko minimal zu sein.

Die DGGG wie auch die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin empfiehlt Schwangeren und Frauen, die schwanger werden wollen, Reisen in Zika-Virus-Endemiegebiete zu meiden. Männer, die sich in Endemiegebieten aufgehalten haben, sollten beim Geschlechtsverkehr während der gesamten Schwangerschaft Kondome nutzen.Für das Vorgehen bei Schwangeren, die Endemiegebiete bereist haben, hat die DGGG einen Diagnose-Algorithmus zur Verfügung gestellt. (ner)

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