Zika-Virus

Assoziation zu neurologischen Krankheiten

Bei einer Infektion mit dem Zika-Virus im ersten Schwangerschafts-Trimenon könnte das Mikrozephalie-Risiko für das Kind bei bis zu 47 Prozent liegen.

Veröffentlicht:

Vor einem Jahr machten Zika-Virus-Infektionen und der mögliche Zusammenhang zur fetalen Mikrozephalie Schlagzeilen. Im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien stellte die Weltgesundheitsorganisation ein international relevantes Gesundheitsrisiko (Public Health Emergency of International Concern)fest. Dieses Risiko besteht nach einem WHO-Statement vom 18. November 2016 nun nicht mehr.

Inzwischen gelte die Kausalität zwischen Zika-Virus-Infektion und fetaler Mikrozephalie oder auch dem Guillain-Barré-Syndrom bei Erwachsenen als "wissenschaftlich (fast) gesichert", stellt die Arbeitsgemeinschaft für Infektionen und Infektionsimmunologie der Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) in einer Stellungnahme fest.

Weltweit existierten mehr als 1600 bestätigte Fälle einer Mikrozephalie und/oder einer Malformation des zentralen Nervensystems, so Professor Ioannis Mylonas von der LMU München und seine Kollegen (Gynäkologe 2016; 49: 786-794). Waren bis 2007 nur sporadische Zika-VirusInfektionen – vor allem in tropischen Regionen Afrikas und in Südostasien – zu beobachten, werden seit zehn Jahren gehäuft epidemische Ausbrüche registriert, besonders auch auf dem amerikanischen Kontinent.

Für Europa wird das Risiko als gering bis mäßig eingeschätzt – mit zwei Ausnahmen: der portugiesischen Insel Madeira sowie der nordöstlichen Schwarzmeerküste Georgiens und Russlands. Denn dort kommt der primäre Vektor des Virus, die Mücke Aedes aegypti, vor.

Weitere Moskito-Arten wie die asiatische Tigermücke könnten ebenfalls zur Verbreitung beitragen, nicht jedoch die in Deutschland beheimatete gemeine Hausmücke und verwandte Arten, wie kürzlich das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin mitgeteilt hat. Für den Mittelmeerraum besteht ein moderates Risiko.

Außer über Mückenstiche ist die Übertragung beim ungeschützten vaginalen Geschlechtsverkehr möglich, zumindest vom Mann auf die Frau. Inwiefern die Übertragung von Frauen auf ihre Partner erfolgen kann, bedürfe noch der Klärung, so die DGGG.

80 Prozent der Infektionen verlaufen asymptomatisch oder mild mit Hautausschlag, Fieber, Arthralgie und nicht-eitriger Bindehautentzündung.Schwere klinische Verläufe sind selten. Differenzialdiagnostisch sind Dengue- oder Chikungunya-Virus-Infektionen in Betracht zu ziehen.

Allerdings verdichten sich Hinweise auf eine Assoziation von Zika-Virus-Infektionen mit neurologischen Erkrankungen. So war in Französisch-Polynesien während eines Ausbruchs im Jahre 2013 die Inzidenz des Guillain-Barré-Syndroms um das 20-Fache erhöht. Anhand dieser Epidemie war das Mikrozephalie-Risiko bei Kindern von Müttern, die sich im ersten Trimenon infiziert hatten, auf etwa ein Prozent geschätzt worden. Die Analyse der Epidemie in Brasilien ergab dagegen ein Risiko von 47 Prozent. Bei einer Infektion im zweiten oder dritten Trimenon scheint das Mikrozephalie-Risiko minimal zu sein.

Die DGGG wie auch die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin empfiehlt Schwangeren und Frauen, die schwanger werden wollen, Reisen in Zika-Virus-Endemiegebiete zu meiden. Männer, die sich in Endemiegebieten aufgehalten haben, sollten beim Geschlechtsverkehr während der gesamten Schwangerschaft Kondome nutzen.Für das Vorgehen bei Schwangeren, die Endemiegebiete bereist haben, hat die DGGG einen Diagnose-Algorithmus zur Verfügung gestellt. (ner)

Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

© David Pereiras | iStock (Symboldbild mit Fotomodell)

Dermatomykosen

Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

© Irina Tiumentseva | iStock

Onychomykosen

Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Für Menschen ab 60 Jahren sind die Impfungen gegen Influenza, Corona, Pneumokokken und Herpes zoster (beide nicht im Bild) Standard-Impfungen. Für Menschen ab 75 Jahren kommt die RSV-Impfung hinzu.

© angellodeco / stock.adobe.com

Respiratorisches Synzytial Virus

STIKO: Alle Menschen ab 75 gegen RSV impfen!

Blickdiagnose: klinisches Bild mit typischen Effloreszenzen bei Herpes zoster.

© Mumemories / Getty Images / iStock

Zoster-Impfung

Schutz vor Herpes zoster und Rezidiven

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 2: Infusionsschema der REGENCY-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Neue Therapieoption bei Lupus-Nephritis verfügbar

Obinutuzumab verbessert Nierenoutcomes bei Lupus-Nephritis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Abb. 1-- Zeit bis zum ersten Ereignis (Tod durch jegliche Ursache oder kardiovaskuläres Ereignisb) in der Gesamtpopulation (a) bzw. in der Monotherapie-Population (b).

© Springer Medizin Verlag

Mit Vutrisiran früh kausal behandeln

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alnylam Germany GmbH, München
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Metaanalyse

Keine Evidenz für die meisten Statin-Nebenwirkungen

Röntgen-Thorax führte zur Diagnose

Kasuistik: Negativer D-Dimer-Test trotz akuter Lungenembolie

Lesetipps
Das Zusammenspiel zwischen Vermögensverwalter und Anlegerin oder Anleger läuft am besten, wenn die Schritte der Geldanlage anschaulich erklärt werden.

© M+Isolation+Photo / stock.adobe.com

Geldanlage

Was einen guten Vermögensverwalter ausmacht

Eine Frau liegt erschöpft auf einem Sofa.

© fizkes / stock.adobe.com

Patientenumfrage

Krebs: So häufig sind Tumorschmerzen