Direkt zum Inhaltsbereich

„Gefährliches Potenzial“

West-Nil-Virus – Ärzte mahnen zur Wachsamkeit

Nach dem milden Winter könnten sich West-Nil-Viren verbreiten. Auch Menschen wären gefährdet.

Veröffentlicht:

GREIFSWALD / ROSTOCK. Das von Mücken übertragene West-Nil-Virus (WNV) könnte sich nach dem milden Winter in Deutschland weiter verbreiten, warnt Professor Emil Reisinger aus Rostock. An der potenziell tödlichen Infektion erkranken außer Raben- und Greifvögel auch Pferde und Menschen. Der ursprünglich aus Afrika stammende Erreger wird auch in Europa zum Problem. In den letzten Jahren gab es in Süd- und Osteuropa immer wieder vereinzelte Ausbrüche mit 10 bis 100 Erkrankten.

„In dem Virus steckt ein gefährliches Potenzial“, betont der Leiter der Abteilung für Tropenmedizin und Infektiologie an der Unimedizin Rostock. Vor allem alte und immunschwache Menschen können daran sterben. In Deutschland wurde allerdings bislang noch kein Mensch mit einer autochthonen Infektion registriert.

Es gab jedoch erste Tiere mit WNV-Infektionen. „Vor allem Vögel sind das natürliche Reservoir“, berichtet Dr. Ute Ziegler vom Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit auf der Insel Riems bei Greifswald. So wurde WNV erstmals im August 2018 von einem toten Bartkauz aus dem Zoo von Halle an der Saale isoliert.

Seitdem wurde die meldepflichtige Tierkrankheit in Deutschland 14 Mal registriert, bei zwölf Vögeln und zwei Pferden. Einige Tiere haben überlebt, berichtet Ziegler, die das nationale Referenzlabor für WNV-Infektionen bei Vögeln und Pferden leitet.

Nach Angaben der Virologin vermehrt sich das Virus vor allem bei warmen Temperaturen in Stechmücken. Die erkrankten Wirbeltiere seien daher auch in den wärmsten Regionen im Osten gefunden worden: Sachsen-Anhalt, Südbrandenburg und Nordsachsen. Auch habe sich in Bayern ein Tierarzt wahrscheinlich bei der Obduktion eines Vogels angesteckt, sei aber nicht schwer erkrankt.

In Süd- und Osteuropa starben letztes Jahr 181 Menschen an WNV-Infektionen und über 2000 erkrankten daran, so Reisinger. Solche Ausbrüche erwartet er in den kommenden Jahren in Deutschland nicht, allerdings „gehäufte Einzelfälle“.

Die Symptome ähneln anfangs einer Grippe mit Fieber und Schweißausbrüchen, erläutert Reisinger. Nach vorübergehender Besserung komme das Fieber wieder, und es bestehe die Gefahr einer Meningitis.

Zur Überwachung von WNV werden jetzt Gesundheitsbehörden, Veterinärämter, Tierärzte und Jäger in Deutschland sensibilisiert, ergänzt Ziegler. Tote Vögel sollen gemeldet und eingeschickt, neurologisch kranke Pferde auf WNV untersucht werden. Für Pferde gibt es einen Impfstoff.

Die „Ständige Impfkommission Veterinärmedizin“ empfiehlt den Schutz in Regionen mit Virusnachweis. „Die Wahrscheinlichkeit, dass das Virus diesen Winter in solchen Regionen in Stechmücken überlebt hat, ist groß“, so die Virologin. (dpa)

Mehr zum Thema

Komplexe Gemengelage

COVID-Prophylaxe 2.0: Das gilt bei der Abrechnung

Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Vaginalmykosen neu denken: Pathogenese, Zyklus und Therapie

© piyato | iStock

Vaginalmykose im Fokus

Vaginalmykosen neu denken: Pathogenese, Zyklus und Therapie

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Intimhygiene: Was die vaginale Schleimhaut wirklich braucht

© iStock / okskukuruza

Vaginale Gesundheit

Intimhygiene: Was die vaginale Schleimhaut wirklich braucht

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

© Kateryna_Kon / stock.adobe.com

PPAR-Isoform-Selektivität: wissenschaftliche Grundlagen und klinische Relevanz

Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Planegg-Martinsried
ATTR-CM-Therapien im Wandel: Die Rolle von Acoramidis

© CLIPAREA.com / stock.adobe.com

Transthyretin-Amyloidose mit Kardiomyopathie

ATTR-CM-Therapien im Wandel: Die Rolle von Acoramidis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Bayer Vital GmbH, Leverkusen
Abb. 1: MATTERHORN-Regime beim GC/GEJC: ereignisfreies Überleben (EFS)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [10]

Perioperativ behandeln – kurativ denken

Durvalumab-basierte Therapie bei drei Tumorentitäten

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Leserumfrage

Umfrage zur E-Patientenakte: Alltag statt Aufbruch

Lesetipps
Eine ältere Frau schaut traurig aus dem Fenster

© terovesalainen / stock.adobe.com

Empfehlungen für die Therapie

So holen Sie Ihre Patienten aus der Post-Stroke-Depression

anatomisches Herz

© abhijith3747 / stock.adobe.com

Empfehlungen im Überblick

ESC-Leitlinie Herzinsuffizienz: Das sind 7 wichtige Änderungen

Beim DEGAM-Kongress machten Teilnehmer ein Selfie.

© Rolf Schulten

Kompakt informiert

DEGAM-Kongress: Unsere Beiträge im Überblick