Ärzte Zeitung, 02.02.2010

Lungenärzte: Nasenspülung nur bei akuten Infektionen!

Häufige Spülungen schwächen offenbar die Abwehr

NEU-ISENBURG (bsc). Manche Menschen schwören auf tägliche Nasenspülungen, weil sie überzeugt sind, damit Infektionen abwehren zu können. Doch das Gegenteil ist der Fall: Die regelmäßigen Spülungen mit Salzlösung machen anfälliger für Infekte der Nasennebenhöhlen.

zur Großdarstellung klicken

Bei der Spülung mit Salzlösung wird die Tülle in ein Nasenloch gedrückt und das Wasser in die Nase gegossen. Es läuft aus dem anderen Nasenloch hinaus.

Foto: ÄZ

Das ist das Ergebnis einer Studie, die auf der Jahrestagung des American College of Allergy, Asthma & Immunology vorgestellt wurde, berichtet die "MMW" (152, 2010, 6). 68 Personen mit rezidivierenden Sinusitiden hatten zunächst zwölf Monate lang täglich die Nase gespült, danach weitere zwölf Monate auf die Spülung verzichtet. Im zweiten Studienjahr war die Sinusitisrate gegenüber dem ersten Jahr um 63 Prozent gesunken. In einer weiteren Studie, in der 24 Personen zwölf Monate lang täglich die Nase mit Salzlösung spülten, waren Infektionen der Nasennebenhöhle ebenfalls häufiger als in einer Kontrollgruppe, und zwar um 50 Prozent.

Professor Harald Morr, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Lungenstiftung, erklärt die ungünstigen Auswirkungen der Spülungen so: "In der Nasenschleimhaut befinden sich wichtige Immunzellen, die Abwehrstoffe wie IgA und IgG, Lactoferrin, Lysozym, Alfa- und Betadefensin produzieren und deren Zusammensetzung sich verändert, wenn sie ständig ausgewaschen werden. Zudem schädigt das ständige Spülen mit hypertoner Salzlösung das Flimmerepithel." Morr rät daher dringend von regelmäßigen Nasenspülungen ab. Lediglich bei akuten Sinusitiden und dann für maximal eine Woche sei die Anwendung sinnvoll, weil sie dann die Sekretolyse fördern kann.

www.lungenaerzte-im-netz.de

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Ein Gelähmter kann wieder gehen

Obwohl er querschnittsgelähmt ist, konnte ein Mann wieder einige Schritte gehen - dank der elektrischen Rückenmark-Stimulation. Von Heilung wollen die Ärzte aber nicht sprechen. mehr »

Auf Zungenküsse besser verzichten?

Zungenküsse erhöhen offenbar das Risiko für HPV-Infekte und damit auch für Mund-Rachen-Tumoren. US-Experten haben sich das Krebsrisiko jetzt einmal genauer angesehen. mehr »

Das ist bei einer Datenpanne zu tun

Bei einem Datenleck in der Praxis sind Inhaber nach der Datenschutzgrundverordnung verpflichtet, dies zu melden. Wem und wie, das erläutern Medizinrechtler. mehr »