Ärzte Zeitung, 25.07.2007

HPV-Impfvereinbarung in Bayern verunsichert Niedergelassene

Streit um den Kauf von Zehner-Packungen / KV hat mittlerweile eingelenkt

MÜNCHEN (all). Eine Abrechnungsvereinbarung der KV Bayerns (KVB) mit den Ersatzkassen zu HPV-Impfungen stößt bei den Ärzten des Landes auf Unverständnis. Mittlerweile hat die KVB eingelenkt.

Nach der Vereinbarung konnten die HPV-Impfungen zunächst nur noch über die KVB abgerechnet werden - zu einer Pauschale von 155,67 Euro, die sowohl das Impfhonorar von 7,67 Euro als auch die Kosten für den Impfstoff in Höhe von 148 Euro umfasst. Kern des Anstoßes: Eigentlich kostet der Impfstoff laut Roter Liste 159,06 Euro.

Um auf den günstigeren Preis zu kommen, sollen die Ärzte eine Zehner-Packung Impfstoff auf eigene Rechnung kaufen, sodass die Einzeldosis nur 144 Euro kostet. "Ein Bezug über Sprechstundenbedarf oder Einzelverordnung ist nicht möglich", heißt es in einem Brief der KVB an alle Kinder-, Allgemeinärzte, praktischen Ärzte, hausärztlich tätigen Internisten und Gynäkologen.

Das Problem: Ärzte dürfen mit der Abgabe von Impfstoffen keinen Gewinn erzielen. Sonst droht ihnen die Mehrwertsteuerpflicht - nicht nur für die Impfstoffe, sondern für die ganze Praxis, die damit steuerlich infiziert werden würde. "Ich habe keine Lust, mich diesem finanziellen Risiko auszusetzen", sagt der Allgemeinarzt Dr. Jürgen Arnhardt aus Höchstädt in der Nähe von Dillingen an der Donau. Zudem sieht er es nicht ein, den Impfstoff vorzufinanzieren. Arnhardt: "Wenn der unwahrscheinliche Fall eintritt, dass sich zehn Ersatzkassen-Patientinnen zur Impfung anmelden würden, müsste ich 4500 Euro für den Impfstoff vorfinanzieren."

Aufgrund der Proteste von Niedergelassenen hat die KVB eingelenkt. Nun können Ärzte nach Angaben von KV-Vize Dr. Gabriel Schmidt HPV-Impfungen für Ersatzkassen-Patientinnen wieder auf dem gewohnten Weg abrechnen. "Ärzte könnten Einkaufsgemeinschaften bilden und sich die Zehner-Packungen teilen", regt Schmidt an. Das Problem der drohenden Mehrwertsteuerpflicht sieht er nicht. Auch andere Arztgruppen -zum Beispiel ambulante Operateure bei der Abrechnung des Kontrastmittels — seien in einer ähnlichen Lage und auch dort würde der Fiskus nicht zuschlagen.

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