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Hintergrund

"Vertrauen schaffen mit ehrlichen und transparenten Informationen zu Impfungen"

Werden Nutzen und Risiken von Impfstoffen nicht richtig vermittelt, sind mangelhafte Impfraten die Folge. Bei der 1. Nationalen Impfkonferenz in Mainz haben Experten deshalb häufig vorgebrachte Punkte von Impfkritikern bei einer Podiumsdiskussion erörtert.

Wolfgang GeisselVon Wolfgang Geissel Veröffentlicht:

Mit vertrauensvollen, ehrlichen und transparenten Informationen, die auch Impfrisiken nicht ausklammern, sollen Ärzte ihren Patienten das Impfen nahebringen. Es gilt dabei vor allem, Impfskeptiker zu überzeugen, deren Anteil an der Bevölkerung auf etwa zehn Prozent geschätzt wird. Über Vorbehalte von Impfskeptikern wurde daher bei der Impfkonferenz in Mainz diskutiert.

Kritikpunkt 1: "Die Mitglieder der Ständigen Impfkommission werden von der Industrie bezahlt und sind in ihren Entscheidungen nicht unabhängig."

Privatdozent Johannes Hallauer vom Gesundheitsministerium in Mecklenburg-Vorpommern trat diesem Vorbehalt entgegen: STIKO-Mitglieder werden vom Bundesgesundheitsministerium berufen. Die Industrie habe keinen Einfluss darauf. STIKO-Mitglieder müssen zudem offenlegen, ob sie - und wenn ja welche - Aufträge von Impfstoffherstellern erledigen. Impfstudien werden in Deutschland fast ausschließlich von der Industrie bezahlt. "Forscher werden zudem von ihren Universitäten geradezu aufgefordert, Drittmittel einzuwerben", sagte Professor Fred Zepp aus Mainz dazu. Entscheidend sei jedoch: Falls ein STIKO-Mitglied an einer Impfstudie von der Industrie teilgenommen hat, darf er bei Abstimmungen über den verwendeten Impfstoff nicht teilnehmen.

Kritikpunkt 2: "Die Industrie finanziert die Impfstudien und kann sie daher auch manipulieren."

"Jeder Auftraggeber einer Studie hat ein eigenes Interesse daran", räumte hier Privatdozent Gérard Krause vom Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin ein. Allerdings müssen die Ergebnisse der Impfstudien transparent aufgearbeitet und publiziert werden. Besonders die Zulassungsbehörden wie das Paul-Ehrlich-Institut in Langen oder die EMEA in London prüfen die Daten penibel.

Daten von Impfstudien werden penibel kontrolliert.

Eine Zulassung wird nur bei nachgewiesener Sicherheit und Wirksamkeit ausgesprochen. Defizite gibt es in Deutschland allerdings bei der Kontrolle von Impfzielen: Es wird kaum überprüft, ob medizinische Maßnahmen wirklich unter reellen Bedingungen das halten, was sie aufgrund von Studien versprechen.

"Wir brauchen mehr öffentlich bezahlte Studien zur Versorgungsforschung", sagte Dr. Stephan Schmidt-Troschke von der Universität Witten-Herdecke dazu.

Kritikpunkt 3: "Bei vielen Impfstoffen ist die Studiendauer zu kurz, die wissenschaftlichen Erkenntnisse reichten oft für Empfehlungen nicht aus."

Krause vom RKI führte hierzu an, dass es auch aus ethischen Gründen geboten sein könne, einen Impfstoff bereits kurz nach der Zulassung zu empfehlen. "Gäbe es zum Beispiel einen Impfstoff gegen HIV, dann würde niemand zögern, ihn breit anzuwenden, auch wenn es nur wenige Studien dazu gibt", sagte er.

Die mit Experten aus vielen Feldern besetzte STIKO kann zudem die Daten für einen neuen Impfstoff aus den unterschiedlichsten Blickpunkten bewerten und damit zu einem ausgewogenen Urteil kommen. Wirksamkeit und Verträglichkeit der Impfstoffe werden außerdem auch nach der Zulassung ständig überprüft. Dass dabei Impfstoffe bei einem schlechten Nutzen/Risiko-Verhältnis auch wieder aus dem Impfkalender genommen werden können, zeigt das Beispiel der BCG-Impfung gegen Tuberkulose.

Kritikpunkt 4: "Informationen zu Impfstoffen werden oft von der Industrie geschönt."

"Wir orientieren uns mit unseren Publikationen an den unabhängigen Informationen der STIKO", sagte Professor Elisabeth Pott von der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung: "Ich weiß nicht, wo die Industrie da Druck auf uns ausüben könnte." Pott appellierte an Ärzte, sich ausreichend Zeit für die Impfaufklärung zu nehmen. "Viele Eltern sind beim Thema Impfen sehr verunsichert", betont der Medizinethiker Professor Georg Marckmann aus Tübingen. Betroffene sofort mit einer Gegenmeinung zu konfrontieren, führe dabei zu einer Polarisierung des Gesprächs. Besser sei es nachzufragen: Was steckt hinter den Bedenken. Dann könne man an die Erfahrungen anknüpfen und das eigene Wissen anhängen.

Kritikpunkt 5: "Viele Impfungen überfordern das Immunsystem von Kindern".

Jeden Tag muss sich das Immunsystem des Menschen mit vielen Milliarden Fremdpartikeln auseinandersetzen und kommt hervorragend damit zurecht, betonte Pädiater Zepp. Heutige Impfstoffe haben zudem nur noch wenige Antigene und sind erheblich verträglicher als früher verwendete Präparate. Und Konservierungsmittel wie Thiomersal sind heute in vielen Impfstoffen nicht mehr enthalten.

1. Nationale Impfkonferenz

Zur 1. Nationalen Impfkonferenz sind erstmals Ärzte, Vertreter der Gesundheitsbehörden, Medizinisches Personal, Impffachleute, Wissenschaftler und Interessengruppen zum Erfahrungs- und Wissensaustausch zusammengekommen. Ziel der Veranstaltung ist es, Impulse für eine bundesweite gemeinsame Impfstrategie zu geben. Dazu sollen auch Vorbehalte von Impfkritikern aufgegriffen werden. Die Konferenz wurde vom Gesundheitsministerium Rheinland Pfalz in Kooperation mit der Stiftung Präventive Pädiatrie in Mainz veranstaltet. Nationale Impfkonferenzen sollen künftig alle zwei Jahre stattfinden. (eb)

www.nationale-impfkonferenz.de

Lesen Sie dazu auch: Wichtige Impulse für eine nationale Impfstrategie

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