Ärzte Zeitung online, 08.01.2018

Studie

Regelmäßiges Impfen schützt Senioren

Jedes Jahr gegen Influenza impfen: Das verbesserte den Schutz alter Menschen vor schweren und tödlichen Grippeverläufen, ergab eine aktuelle Studie.

Von Wolfgang Geissel

Regelmäßiges Impfen schützt Senioren

Senioren profitieren offenbar von regelmäßigen Grippeimpfungen: Forscher haben dafür Daten aus 20 spanischen Krankenhäusern untersucht.

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PAMPLONA. Je öfter alte Menschen von Jahr zu Jahr gegen saisonale Influenza geimpft werden, desto besser ist ihr Schutz gegen schwere Grippe-Komplikationen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen FallKontroll-Studie von Forschern um Dr. Itziar Casado vom Institut für öffentliche Gesundheit von Navarra (IdiSNA) in Pamplona. Die spanischen Ärzte haben dazu den Effekt mehrfacher Impfungen bei über 700 Senioren ab 65 Jahre untersucht. Alle Studienteilnehmer waren in den Wintern 2013/14 und 2014/15 wegen Influenza in 20 spanischen Krankenhäusern behandelt worden (Canadian Medical Association Journal 2018; online 8. Januar). Die Raten von schwerer und leichter Influenza bei den Teilnehmern und bei über 1800 gematchten Kontrollpersonen wurden miteinander verglichen.

Ergebnis: Regelmäßig geimpfte Senioren (aktueller Saisonschutz und je eine Impfung in mindestens den drei Jahren davor) hatten im Vergleich zu Ungeimpften den besten Schutz. Bei den Vielgeimpften war das Risiko für eine relativ leichte Influenza mit stationärer Therapie um etwa 30 Prozent vermindert, das Risiko für eine schwere Influenza mit intensivmedizinischer Therapie um 74 Prozent und das Risiko für einen Tod durch Influenza-Komplikationen um 70 Prozent.

Etwas geringer war die Risikoreduktion gegen schwere Influenza bei nur zweimal geimpften Senioren (aktuell und einmal in den letzten drei Jahren): minus 65 Prozent für Influenza mit Intensivstation und minus 56 Prozent für Tod durch Influenza. Waren Senioren bisher nur für die aktuelle Saison einmal geimpft worden, ließ sich nur ein Schutz gegen relative leichte Influenza belegen. Das Risiko für eine schwere Influenza war nach nur einer Impfung im Vergleich zu Ungeimpften nicht vermindert.

Wie lässt sich der Effekt wiederholter Impfungen gegen schwere Influenza erklären? Casado und Kollegen vermuten, dass die Impfung außer die Bildung von Antikörpern gegen Grippeviren auch eine T-Zell-vermittelte Immunantwort stimuliert. Solche zellulären Immunreaktionen wären wahrscheinlich gegen interne Proteine mehrerer Erreger-Subtypen gerichtet. "Der Nutzen der Grippeimpfung wäre dann größer als bisher vermutet."

Der Präsident des für Impfstoffe zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts in Langen, Professor Klaus Cichutek, hält die Studie für solide und aussagekräftig. "In der Summe unterstützen die Ergebnisse unser Wissen, dass jährlich wiederholte saisonale Grippeimpfungen den Vorteil verschaffen, schwere Erkrankungsverläufe zu verhindern", sagte er der Nachrichtenagentur "dpa". Allerdings beschränkten sich die Ergebnisse auf ältere Menschen, auf Krankenhauspatienten und auf Menschen in Spanien. Weitere Untersuchungen müssten daher folgen.

Die Effekte wiederholter Grippeimpfungen sind in Studien schwer zu belegen. Von Jahr zu Jahr unterscheiden sich die saisonalen Impfstoffe, weil sie an veränderte Erreger und an neu dominierende Subtypen angepasst werden. Dabei decken aktuelle Impfstoffe die zirkulierenden Erreger häufig nicht optimal ab.

Einen solchen "mismatch" gibt es offenbar auch diesen Winter: Die dominierende Influenza-B-Yamagata-Linie ist nur im quadrivalenten Impfstoff (QIV) enthalten. Die B-Komponente (Victoria-Linie) der aktuellen trivalenten Vakzine (TIV) bietet hier nur reduzierten Schutz, berichtet das Robert Koch-Institut (Epi Bull 2018; 1: 18). Bei TIV-geimpften Hochrisikopatienten sollte daher eine Nachimpfung mit QIV erwogen werden, rät das RKI.

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