Ärzte Zeitung online, 16.11.2018

Europäischer Antibiotika-Tag

Appell zur rationalen Antibiotika-Gabe bei Erkältung

Anlässlich des 11. Europäischen Antibiotika-Tages rufen der Verband der Ersatzkassen und die Kassenärztliche Bundesvereinigung zum rationalen Einsatz von Antibiotika bei Erkältungen und Grippe auf.

Appell zur rationalen Antibiotika-Gabe bei Erkältung

Mikrobiologische Untersuchung – das umfasst in Kliniken oft auch die Suche nach einer möglichen Antibiotika-Resistenz.

© Microgen / stock.adobe.com

NEU-ISENBURG. „Bei Grippe und Erkältungen mit Halsschmerzen, Husten oder Schnupfen sind Antibiotika in der Regel vollkommen wirkungslos“, erinnert Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV in einer Mitteilung zum Europäischen Antibiotika-Tag am 18. November 2018. „Daher appellieren wir an Ärzte und Patienten, Antibiotika nur anzuwenden, wenn es medizinisch wirklich notwendig ist.“ Neben der Vermeidung möglicher unerwünschter Wirkungen geht es dabei vor allem auch darum, das Risiko von Antibiotika-Resistenzen durch unnötige Einnahmen zu mindern.

„Auch wenn wir im EU-Vergleich schon gut abschneiden: Beim Einsatz von Antibiotika müssen wir noch besser werden“, ergänzt die vdek-Vorstandsvorsitzende Ulrike Elsner. Länder wie die Schweiz und Niederlande zeigten, dass dies möglich sei – ohne Einbußen bei der Sicherheit und Qualität der Patientenversorgung.

Elsner und Hofmeister riefen zugleich die Versicherten der Ersatzkassen auf, sich bei Erkältungen und Grippe möglichst ihm Rahmen ihres gemeinsamen RESIST-Programms speziell beraten zu lassen. Die Ersatzkassen und die KBV engagieren sich seit Anfang 2017 in dem Projekt „RESISTenzvermeidung durch adäquaten Antibiotikaeinsatz bei akuten Atemwegsinfektionen“.

Das Modellprojekt wird vom Innovationsfonds der gesetzlichen Krankenversicherung mit 14 Millionen Euro gefördert, wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Erste Ergebnisse sollen Ende 2019 vorliegen, heißt es in der Mitteilung. Beteiligt seien rund 2500 niedergelassene Ärzte in den KV-Regionen Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein, Saarland und Westfalen-Lippe. (run)

Hintergrund

Der Europäische Antibiotika-Tag findet jährlich am 18. November in den EU-Mitgliedsstaaten statt. Es handelt sich dabei um eine Initiative des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) in Stockholm. Mit dem Aktionstag will die EU-Agentur auf die Gefahr durch zu häufigen und nicht indizierten Einsatz von Antibiotika aufmerksam machen.

Lesen Sie dazu auch:
EMA-Bewertung: Wann Vorsicht bei Fluorchinolonen geboten ist
Fast neun Millionen Klinik-Infektionen jährlich

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[17.11.2018, 09:45:31]
Rudolf Hege 
EBM-Bärendienst...
Da hat die "EBM" der Praxis einen Bärendienst erwiesen: Weil "pflanzliche" oder "homöopathische" Tropfen nicht mehr erstattet werden, greift der Hausarzt nun zum Antibiotika "als Quasi-Placebo". Zum Einen ist er damit auf der sicheren Seite, denn für Übertherapie kann man in Deutschland nicht bestraft werden, für Untertherapie schon. Zum Zweiten stellt er den Patienten zufrieden, der "etwas" gegen seine Beschwerden bekommen will, denn wofür bezahlt er sonst seine Kassenbeiträge?
Vielleicht sollte die Wissenschaft hin und wieder aus ihrem Elfenbeinthron herabsteigen - und mal schauen, was so in der Praxis läuft..? zum Beitrag »

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