Ärzte Zeitung online, 26.02.2014

Klinikentlassung

Früher Tod oft durch Infektionen

Vor allem Infektionen sind die Ursache dafür, dass manche Patienten nach überstandener ambulant erworbener Pneumonie schon innerhalb weniger Monate nach der Klinikentlassung sterben.

BARCELONA. Vor allem Infektionen sowie akute kardiovaskuläre Ereignisse sind offenbar die Ursache dafür, dass manche Patienten nach überstandener ambulant erworbener Pneumonie schon wenige Monate nach der Entlassung aus der Klinik sterben. Unter den Infektionskrankheiten sind es vorrangig erneute Pneumonien.

Um die Sterberate bei Erwachsenen mit ambulant erworbener Pneumonie (CAP, Community-acquired Pneumonia) und die Todesursachen im Verlauf eines Jahres nach Entlassung aus der Klinik etwas genauer als bisher zu ermitteln, analysierten spanische Infektiologen die Befunde von fast 1300 Patienten, die zwischen Januar 2007 und Dezember 2011 stationär versorgt worden waren.

Alle Patienten waren am Universitätsklinikum in Barcelona behandelt worden. Nicht berücksichtigt wurden Patienten mit Neutropenie, Immunglobulin-Mangelkrankheiten, HIV-Infektion sowie Patienten nach einer Transplantation oder Splenektomie (J Infect 2014; online 15. Februar).

Während der stationären Behandlung waren die Patienten täglich untersucht worden. 540 Patienten hatten eine CAP, die durch Pneumokokken ausgelöst worden war, 74 Patienten eine Infektion mit Influenza A. Für die Zeit nach der Entlassung stützten sich die Infektiologen für ihre Studie auf die SAP-Datenbank des katalanischen Gesundheitsdienstes. Das Follow-up endete ein Jahr nach der Klinikentlassung.

Von den knapp 1300 CAP-Patienten starben 93 (7,2 Prozent) innerhalb eines Jahres nach der Entlassung aus dem Krankenhaus, mit einem Anteil von 73,1 Prozent die meisten bereits innerhalb des ersten halben Jahres.

Haupttodesursachen waren Infektionserkrankungen bei fast jedem Zweiten, vor allem Pneumonien, aber auch COPD-Exazerbationen, Sepsis und Multiorganversagen, sowie kardiovaskuläre Ereignisse bei etwa jedem Fünften. Keiner der Gestorbenen hatte Influenza A oder eine Infektion mit Legionella pneumophila.

Infektionen als Auslöser wurden vor allem in den ersten sechs Monaten dokumentiert. Im Verlauf wurden sie deutlich seltener. Kardiovaskuläre Ereignisse waren dagegen in den betrachteten zeitlichen Abschnitten jeweils etwa gleich häufig.

Auf der Suche nach unabhängigen Risikofaktoren für Mortalität innerhalb des ersten Jahres nach Klinikentlassung kristallisierten sich - nach Berücksichtigung das Ergebnis verzerrender Parameter - COPD, Diabetes, Krebs, Demenz sowie eine erneute Klinikeinweisung innerhalb eines Monats heraus.

Dabei hatten von den 93 gestorbenen Patienten fast 25 Prozent nur einen Risikofaktor, fast 42 Prozent zwei Risikofaktoren und etwa 22 Prozent sogar drei Risikofaktoren. Nur vier Patienten hatten mindestens vier Risikofaktoren. Das Alter der Patienten war in dieser Studie im Gegensatz zu anderen Studien kein unabhängiger Risikofaktor.

Möglicherweise sei das Follow-up mit einem Jahr zu kurz gewesen. Auffallend sei, so die Infektiologen, dass die meisten Todesursachen hätten verhindert oder die betroffenen Patienten behandelt werden können. Da es sich bei ihrer Studie um eine Untersuchung mit Teilnehmern aus nur einer einzigen Klinik handele, müssten die Ergebnisse allerdings durch andere Studien bestätigt werden, so die Ärzte. (ple)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Zuckerbrot und Peitsche für Ärzte

Gesundheitsminister Spahn nimmt die "Hobbypraxen" ins Visier. Mehr Kontrolle, aber auch mehr Geld für Ärzte sieht der Entwurf des Terminservice- und Versorgungsgesetzes vor. mehr »

Deutlicher HIV-Anstieg in fast 50 Ländern

In fast 50 Ländern steigt die Zahl der HIV-Neuinfektionen – in manchen drastisch. Auf der Welt-Aids-Konferenz in Amsterdam beraten Experten in dieser Woche, wie sich der Trend aufhalten lässt. mehr »

Hoffnung auf wirksame Alzheimer-Therapie

Lässt sich der Krankheitsverlauf bei Alzheimer mittels Antikörper doch bremsen? Erstmals deutet sich ein solcher Erfolg in einer größeren Studie an. mehr »