Ärzte Zeitung, 16.11.2010

Hautpilz! Beim Meerschweinchen angesteckt

Druckdolente Knoten und Pusteln an den Haarfollikeln der Kopfhaut, am Bart oder inguinal weisen auf eine mögliche Pilzinfektion hin. Deren Ursache kann bei infizierten Haustieren liegen.

Von Thomas Meißner

Hautpilz! Beim Meerschweinchen angesteckt

Klinischer Befund eines massiven Pilzbefalls der Haarschäfte.

Hautpilz! Beim Meerschweinchen angesteckt

Histologischer Befund einer Trichomykose.

© (2) J. Liptak und C. Andres, TU München

MÜNCHEN. Hautpilzerkrankung durch Kontakt mit Meerschweinchen  - Wie das funktioniert, illustriert die Fallgeschichte eines jungen Mannes: Der Patient hatte eine bereits seit mehreren Wochen bestehende flächige Rötung inguinal bemerkt. Zunehmend fanden sich dort ebenso wie in der Rima ani flache, schmerzhafte Knoten und Pusteln, berichten Jarmila Liptak und Dr. Christian Andres von der Universitätshautklinik der TU München (MMW 2010; 31-33: 5).

An der rechten Wange des Patienten bestand ebenfalls eine münzgroße juckende und schuppende Plaque. Der Hausarzt hatte es zunächst erfolglos mit Cefuroxim versucht, bevor er den Mann an die Hautärzte überwies. Inzwischen klagte die Partnerin des Mannes ebenfalls über juckende Hautveränderungen.

Zum Haushalt des Patienten gehörten ein Meerschweinchen und ein Hamster. Verursacher der Hauterscheinungen war ein zoophiler Dermatophyt, Trichophyton mentagrophytes var. Asteroides, so das Ergebnis der mikrobiologischen Untersuchung, und zwar sowohl bei dem Mann, bei seiner Partnerin als auch beim Meerschweinchen.

Die Hautbiopsie bei dem Mann ergab einen massiven Pilzbefall der Haarschäfte. Damit bestand sowohl eine oberflächliche wie auch tiefe Trichomykose (Trichophytie, Tinea profunda). Die Pilze dringen dabei in das Haar ein und gelangen bis zur keratogenen Zone. Befallene Haare sind typischerweise leicht zu epilieren.

Der Mann und seine Partnerin bekamen initial Fluconazol (täglich 200 mg), nach dem Kulturergebnis dann Terbinafin (pro Tag 250 mg) sowie Batrafen-Creme zur topischen Behandlung, wie der Münchner Dermatologe zur "Ärzte Zeitung" sagte.

Durch die Therapie besserte sich die Infektionskrankheit allmählich - insgesamt musste jedoch über einen Zeitraum von vier Monaten behandelt werden. Allerdings drohen auch dann noch Reinfektionen, besonders, wenn der Auslöser nicht identifiziert wird. In diesem Fall wurde das infizierte Meerschweinchen vom Tierarzt systemisch und mit einem topischen Fungizid behandelt.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Merkel beansprucht Führung weiter für sich

Drastische Einbußen, aber immer noch vorn: Die Wähler versetzen der Union einen Kinnhaken. Die große Koalition scheint passé. Auch die Umfrageteilnehmer der "Ärzte Zeitung" hatten bereits im Vorfeld eine neue "GroKo" abgelehnt. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »