Ärzte Zeitung, 04.11.2009

zur Großdarstellung klicken

Viele junge Menschen erkranken schwer an Schweinegrippe

Analyse von 1088 schwer kranken Schweinegrippe-Patienten in Kalifornien / Alter im Median 27 Jahre

NEU-ISENBURG (eis). Im Gegensatz zu Deutschland sind bisher viele Schweinegrippe-Erkrankungen in Kalifornien schwer verlaufen. Todesfälle traten in jedem Alter auf, und jeder dritte Betroffene in der Klinik musste auf die Intensivstation, hat eine neue Analyse ergeben.

In der Studie wurden die Verläufe der zwischen April und Mitte August in Kliniken behandelten 1088 Schweinegrippe-Patienten in dem US-Staat untersucht (JAMA 302, 2009, 1896). Ähnlich wie in anderen Ländern erkrankten dabei häufig junge Menschen besonders schwer: 32 Prozent waren unter 18 Jahre alt, wobei der Anteil von Säuglingen unter den Betroffenen sehr hoch war.

zur Großdarstellung klicken

Foto: bilderstoeckchen ©www.fotolia.de

Der Alters-Median aller Patienten betrug 27 Jahre. Häufigste Symptome waren Fieber, Husten und Atemnot. Schnelltests waren bei jedem dritten Betroffenen falsch-negativ.

Die meisten Patienten hatten Risikofaktoren für schwere Verläufe einer Influenza mit Grunderkrankungen wie Adipositas, Herzkreislauf- oder Lungenleiden. Im Mittel mussten die Patienten vier Tage stationär behandelt werden. Knapp 80 Prozent der Patienten wurden mit antiviralen Medikamenten behandelt. Insgesamt 118 der Patienten (11 Prozent) sind gestorben, die Sterberate war bei Patienten über 50 Jahre besonders hoch (18 bis 20 Prozent). 8 Kinder (7 Prozent) haben die Krankheit nicht überlebt. Die mediane Zeit zwischen Krankheitsbeginn und Tod betrug dabei 12 Tage. Die häufigsten Todesursachen waren virale Pneumonie und akutes Atemnotsyndrom (ARDS).

Von den 833 Patienten mit Thorax-Röntgenbildern zeigten sich bei zwei Dritteln Infiltrate der Lunge und damit Zeichen von Pneumonie oder ARDS. Insgesamt wurde knapp jeder dritte der Patienten auf der Intensivstation behandelt. Wobei etwa zwei von drei Betroffenen mechanisch beatmet werden mussten.

Besonders bei über 50-Jährigen und bei Menschen mit Risikofaktoren ist bei Influenza-ähnlichen Erkrankungen höchste Aufmerksamkeit geboten, betonen die Studienautoren. Patienten in der Klinik sollten unabhängig vom Ergebnis eines Schnelltests umgehend mit antiviralen Medikamenten behandelt und sorgfältig überwacht werden.

Weitere aktuelle Berichte, Bilder und Links zum Thema Schweinegrippe (Neue Grippe) finden Sie auf unserer Sonderseite

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Fehldiagnose lässt "Thrombophilie"-Patientin zittern

Bei einer Frau mit Venenthrombose wurde eine Thrombophilie-Diagnostik vorgenommen. Der Verdacht erhärtete sich und bescherte ihr angstvolle Wochen. mehr »

Schärfe und Säure kurbeln das Immunsystem an

Was wir essen, beeinflusst maßgeblich, wie gut die Immunabwehr im Speichel funktioniert. Das haben Münchener Forscher untersucht. mehr »

Was tun gegen sexuelle Belästigung?

Anzügliche Bemerkungen, obszöne Witze, schlüpfrige Mails bis hin zu Berührungen: Sexuelle Aufdringlichkeit gehört auch in Praxen und Kliniken manchmal zum Alltag. Statt die Belästigungen zu ignorieren, sollten sich Betroffene wehren - dazu gibt es mehrere Möglichkeiten. mehr »