Ärzte Zeitung, 22.01.2010

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Jedes dritte Kind war H1N1-Virusträger

Seroprävalenzstudie in Großbritannien spricht für hohen Anteil symptomloser Verläufe bei der Schweinegrippe

LONDON (eis). Während der Schweinegrippewellen waren offenbar erheblich mehr Kinder infiziert als bisher angenommen. Das belegen Daten einer britischen Studie zur Seroprävalenz von Antikörpern. Kinder wären daher eine gute Zielgruppe für Impfprogramme bei Influenza-Pandemien, bestätigen die Forscher.

In der Studie von Professor Elizabeth Miller von der "UK Health Protection Agency" und ihren Kollegen wurden routinemäßig gewonnene Blutproben aus der britischen Bevölkerung auf Antikörper gegen das neue H1N1-Virus untersucht, und zwar Proben von 2008 vor der Schweinegrippe-Pandemie sowie von September 2009 nach der ersten Schweinegrippe-Welle (Lancet, online first, bitte nach oben scrollen). 1403 Proben aus 2008 und 1954 Proben aus 2009 standen zur Verfügung.

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Schulkinder haben bei Grippewellen ein hohes Risiko, sich mit Influenza-Viren zu infizieren. ©Monkey Business/fotolia.com

Ergebnis: Vor der Schweinegrippe-Pandemie 2008 variierten die Anteile von Menschen mit schützenden Antikörper-Titern von 1,4 Prozent bei Kleinkindern (bis vier Jahre) bis zu 31 Prozent bei den über 80-Jährigen.

"Alte Menschen haben sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts offenbar mit H1-Influenza-Stämmen infiziert, die nahe mit dem Schweinegrippevirus verwandt waren", interpretieren die Forscher das Ergebnis. Anders sah das Bild nach der ersten Schweinegrippewelle aus: In den Regionen mit den meisten Erkrankungen (London, Midlands) stieg die Rate der Kleinkinder mit schützenden Antikörpertitern von 1,8 auf 21 Prozent und die der Schulkinder (5 bis 14 Jahre) von 3,7 auf 42 Prozent. Keinen Anstieg der Antikörperrate gab es hingegen bei den Erwachsenen ab 25 Jahre.

"Mehr als jedes dritte Kind in Regionen mit hoher Influenza-Aktivität war nach den Daten infiziert", so die Forscher. Das seien zehnmal mehr Kinder gewesen, als aufgrund von Erkrankungen zu erwarten gewesen wäre. Viele Kinder hätten also milde oder symptomlose Verläufe gehabt. Die Daten verdeutlichen die große Bedeutung von Kindern bei der Verbreitung von Influenza-Viren. Kinder wären daher eine gute Zielgruppe für Influenza-Impfungen, und zwar sowohl zum eigenen Schutz als auch zum Schutz der Bevölkerung durch die erzielte Herden-Immunität, so die Forscher.

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