Ärzte Zeitung, 10.11.2006

Potential von Myelom-Präparat noch nicht ausgeschöpft

Proteasom-Hemmer Bortezomib vor Stammzelltransplantationen erfolgreich geprüft / Ermutigende Studie mit Dreifachkombination

LEIPZIG (grue). Für den Proteasom-Hemmer Bortezomib gibt es neue Anwendungsgebiete in der Therapie bei multiplem Myelom. Bisher werden mit dem Zytostatikum nur Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung behandelt.

Bortezomib (Velcade®) ist zugelassen zur Monotherapie von Myelom-Patienten, die zuvor erfolglos behandelt worden waren und - sofern das sinnvoll war - bereits eine Stammzelltransplantation bekommen hatten. Damit sei das Potential von Bortezomib aber noch nicht ausgeschöpft, sagte Dr. Martin Kropff von der Myelom-Ambulanz in Münster bei der Tagung der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie in Leipzig. So konnte in einer Phase-II-Studie belegt werden, daß auch Patienten vor einer Stammzelltransplantation von einer Induktionstherapie mit Bortezomib profitieren. Dafür wurde es mit Adriamycin und Dexamethason kombiniert.

78 Prozent der Patienten erreichten mit der Dreifachkombination eine partielle Remission der Tumorerkrankung, bei elf Prozent kam es sogar zu einer kompletten Rückbildung. Komplette Remission bedeutet, daß in Blut und Urin das von den Plasmozytomzellen synthetisierte M-Protein nicht mehr nachweisbar ist und der Anteil der Plasmazellen im Knochenmark nur noch fünf Prozent beträgt. Das waren günstige Voraussetzungen für die anschließende Transplantation.

Eine Vergleichstudie zum bisherigen Induktions-Standard VAD (Vincristin, Adriamycin, Dexamethason) soll folgen. Zudem werde geprüft, ob Myelom-Patienten nach erfolgreicher Transplantation von einer adjuvanten Therapie mit Bortezomib profitieren, berichtete Kropff auf einer Veranstaltung des Unternehmens Ortho Biotech.

In weiteren Studien geht es darum zu klären, was mit Bortezomib bei zuvor behandelten Patienten mit Rezidiven erreicht werden kann. In der bereits zugelassenen Monotherapie ist die gut Substanz wirksam, der Effekt kann aber durch Kombination mit anderen Arzneien verstärkt werden. "Es gibt eine additive Wirkung mit Dexamethason und eine synergistische Wirkung mit anderen Zytostatika", so Professor Mohammad Nowrousian von der Uniklinik Essen. Auf Dreifachkombinationen sprechen bis zu 70 Prozent der Patienten an.

"Dabei wirken Bortezomib-haltige Regime schnell und sind besonders für nierenkranke Patienten geeignet", so der Onkologe. Er berichtete von einer Studie mit 24 dialysepflichtigen Myelom-Patienten, von denen zwei nach der Therapie mit Bortezomib nicht mehr auf die Blutwäsche angewiesen waren. Der nephroprotektive Effekt sei aber noch zu prüfen.

STICHWORT

Proteasom

Proteasome sind wichtige Abbau-orte für Eiweißmoleküle im Inneren von Zellen. Sie zerlegen unter Verbrauch des zellulären Energieträgers Adenosintriphosphat (ATP) nicht nur beschädigte Eiweißmoleküle und entsorgen sie so, sondern sie fungieren auch als Regulatoren, die die Zusammensetzung des Signalmolekül-Pools einer Zelle mitbestimmen. Die Proteasome werden aktiv, sobald ein unerwünschtes Eiweiß mit Ubiquitin-Molekülen markiert wurde. (ple)

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