Ärzte Zeitung App, 18.12.2013
 

Kommentar zu Krebs und Vitamin B12

Sinnvolle Sammelwut in Medizin-Registern

Vitamin B12 und Krebs: In großen Datenbanken finden sich manchmal überraschende Verknüpfungen.

Von Thomas Müller

Es gibt medizinische Erkenntnisse, die sich nur mithilfe großer Studien erschließen, und es gibt Zusammenhänge, die sich am besten durch beharrliches Graben in gigantischen Datenbanken offenbaren.

Das kleine Dänemark besitzt solche Datenbanken und ist daher mit anderen skandinavischen Ländern in der Epidemiologie eine ganz große Nummer: Handys verursachen keine Hirntumoren, Lösungsmittel dafür Leberkrebs - solche Erkenntnisse haben wir oft großen skandinavischen Registern zu verdanken. Sie sammeln Laborwerte, ärztliche Diagnosen, Interventionen und Arzneimittelverordnungen der ganzen Bevölkerung.

Werden die Daten dank Personenkennnummern verknüpft, ergeben sich überraschende Zusammenhänge: So konnten Forscher jetzt zeigen, dass hohe Vitamin-B12-Werte eine unmittelbar bevorstehende Krebserkrankung ankündigen.

Ein Biomarker, der auf ein hundertfach erhöhtes Erkrankungsrisiko deutet - so etwas wird nicht alle Tage entdeckt. Die Analyse grenzt sich wohltuend von der Flut anderer Publikationen ab, die sich lediglich in Spekulationen um schwache Assoziationen ergehen.

Und sie zeigt gerade in Zeiten geheimdienstlicher Sammelwut, dass ein umfassendes, öffentliches Register tatsächlich denen nutzen kann, die es unablässig mit ihren Daten füttern.

Lesen Sie dazu auch:
Dänische Studie: Erhöhte Krebsgefahr bei hohen Vitamin-B12-Werten

[24.12.2013, 10:30:01]
Gunda Jensen 
Nichts Neues - oder doch?
Es ist nichts Neues, dass die Vitamin B12-Werte vor allem bei Leukämie deutlich erhöht sein können. In dem Informations Letter eines Labors in Dortmund (Dr. Eberhard & Partner) habe ich schon vor 4 Jahren gelesen, dass B12 bei CML 10-fach erhöhte Werte aufweisen kann, weil eine erhöhte Haptocorrinbildung vorliegt. Dadurch ist der B12-Spiegel erhöht - bei gleichzeitigen funktionelle B12-mangel (reduziertes Holotranscobalamin). Ist vielleicht in dieser Richtung nach der Erklärung zu suchen? Dass die Forscher aus Dänemrak keine brauchbare Erklärung haben, wundert mich nicht, weil Dänemark auf dem Gebeit der Vitamine nicht gerade bewandert ist. Etwas übertrieben gesagt ist hier (ich wohne in Dänemark)der Ausgangspunkt, dass es keinen Vitaminmangel gibt und dass die Einnahme von Vitaminen gefährlich ist. Dadurch kann dei Interpretation solcher Studien möglicherweise begrenzt sein.
Denn interessant ist es, finde ich, doch, dass die Laborwerte offenbar schon vor dem Ausbruch der Krankheit erhöht sein können. Besteht da eventuell doch ein interessanter Ansatz, wenn man sowohl Cobalamin und Holotranscobalamin bestimmt und aus der Diskrepanz auf eine abnorme Bildung von Haptocorrin schließt - als Tumormarker? zum Beitrag »

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