Ärzte Zeitung, 20.08.2014
 

Krebs bei Kindern

Nach dem Tumor kommt die Pneumonie

Haben Kinder einen Tumor überlebt, ist das Risiko, an einem Infekt zu sterben, in der Folgezeit vierfach höher als bei Kindern ohne Krebs.

MINNEAPOLIS. Ein Team um Dr. Joanna Perkins von der Kinderklinik in Minneapolis hat Daten aus der Childhood Cancer Survivor Study (CCSS) analysiert, an der sich 26 Zentren in den USA und Kanada beteiligten (Cancer 2014; 120 (16): 2514-2521).

Die Eltern von Kindern mit überstandener Krebserkrankung werden für die Kohortenstudie alle paar Jahre zum Befinden des Kindes befragt.

Die Forscher konzentrierten sich auf 12.400 Kinder, bei denen die Tumordiagnose bis zum Alter von 20 Jahren erfolgt war, bei denen diese über fünf Jahre zurücklag und bei denen seither keine neuen Krebsleiden aufgetreten waren. Sie werteten die Angaben zu ernsten Infekten aus, die ebenfalls erst fünf Jahre nach der Tumordiagnose auftraten.

Dazu zählten sie Bronchitis, Sinusitis, Tonsillitis, Pneumonie, chronischen Husten, Magen-Darm-Infekte und urogenitale Entzündungen.Als Vergleich dienten Daten aus der Allgemeinbevölkerung und von etwa 4000 tumorfreien Geschwisterkindern.

30 Prozent häufiger Infekte

Knapp 27 Prozent der Kinder waren an einer akuten lymphoblastischen Leukämie (ALL) erkrankt, 21 Prozent an einem ZNS-Tumor, 14 Prozent an einem Hodgkin-Lymphom, 10 Prozent an einem Nierentumor, 9 Prozent an einem Weichteilsarkom.

Im Vergleich mit den Geschwistern hatten die Krebsüberlebenden 30 Prozent häufiger Infekte, Pneumonien traten fast viermal so oft auf, eine Hepatitis war zweieinhalbfach und eine Sinusitis 1,8-fach öfter zu beobachten.

In absoluten Zahlen traten schwere sinopulmonale Infekte bei 22 Prozent auf, gefolgt von urogenitalen Entzündungen (bei 7 Prozent). Bei Mädchen war die Infektionsrate um 70 Prozent höher als bei Jungen. Dies ließ sich großenteils mit einer fast siebenfach erhöhten Rate für Urogenitalinfekte erklären.Solche Infekte sind zwar bei Mädchen generell häufiger, aber nicht in diesem Ausmaß.

Als Risikofaktoren für Infekte erwiesen sich ein höheres Alter bei der Diagnose sowie ein Hodgkin-Lymphom. Und: Kinder mit einer Ganzkörperbestrahlung erkrankten doppelt so oft an gastrointestinalen Infekten wie solche ohne.

Infektbedingte Sterberate vierfach erhöht

Die altersstandardisierte infektbedingte Sterberate war bei den Krebsüberlebenden etwa vierfach höher als in der Allgemeinbevölkerung. Besonders betroffen waren Mädchen - sie starben dreifach häufiger als Jungen mit Krebs. Kinder mit Ganzkörperbestrahlung starben achtfach häufiger als solche ohne.

Am stärksten gefährdet, an einer Infektion zu sterben, sind danach Mädchen mit einer Ganzkörperbestrahlung im Alter von mehr als 15 Jahren bei Diagnosestellung. Insgesamt waren 20 Jahre nach der Diagnose aber weniger als 0,3 Prozent der Kinder an einer Infektion gestorben.

Ärzte sollten sich bei Kindern nach überstandener Krebserkrankung besonders um den Immunschutz kümmern, raten die Studienautoren. Impfungen sind danach für Kinder nach einem Tumor besonders wichtig. (mut)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

FDP-Chef gibt den "Bastafari" – Steinmeier gegen Neuwahlen

Die FDP ist aus den Jamaika-Gesprächen ausgestiegen. Bundespräsident Frank Walter Steinmeier erteilt schnellen Neuwahlen eine Absage. KBV-Chef Gassen fordert Tempo. mehr »

Mit Kohlenhydrat-Tagen die Insulinresistenz durchbrechen

Typ-2-Diabetiker mit schwerer Insulinresistenz können vom Prinzip einer hundert Jahre alten Haferkur profitieren. Erfahrungsgemäß sprechen 70 Prozent der Betroffenen darauf an. mehr »

Kliniken in Nordrhein sind Vorreiter beim E-Arztbrief

Der Klinikbetreiber Caritas Trägergesellschaft West zählt zu den Vorreitern des elektronischen Arztbriefes über KV-Connect. Viele Niedergelassene sind bereits angeschlossen. mehr »