Direkt zum Inhaltsbereich

Krebs bei Kindern

Nach dem Tumor kommt die Pneumonie

Haben Kinder einen Tumor überlebt, ist das Risiko, an einem Infekt zu sterben, in der Folgezeit vierfach höher als bei Kindern ohne Krebs.

Veröffentlicht:

MINNEAPOLIS. Ein Team um Dr. Joanna Perkins von der Kinderklinik in Minneapolis hat Daten aus der Childhood Cancer Survivor Study (CCSS) analysiert, an der sich 26 Zentren in den USA und Kanada beteiligten (Cancer 2014; 120 (16): 2514-2521).

Die Eltern von Kindern mit überstandener Krebserkrankung werden für die Kohortenstudie alle paar Jahre zum Befinden des Kindes befragt.

Die Forscher konzentrierten sich auf 12.400 Kinder, bei denen die Tumordiagnose bis zum Alter von 20 Jahren erfolgt war, bei denen diese über fünf Jahre zurücklag und bei denen seither keine neuen Krebsleiden aufgetreten waren. Sie werteten die Angaben zu ernsten Infekten aus, die ebenfalls erst fünf Jahre nach der Tumordiagnose auftraten.

Dazu zählten sie Bronchitis, Sinusitis, Tonsillitis, Pneumonie, chronischen Husten, Magen-Darm-Infekte und urogenitale Entzündungen.Als Vergleich dienten Daten aus der Allgemeinbevölkerung und von etwa 4000 tumorfreien Geschwisterkindern.

30 Prozent häufiger Infekte

Knapp 27 Prozent der Kinder waren an einer akuten lymphoblastischen Leukämie (ALL) erkrankt, 21 Prozent an einem ZNS-Tumor, 14 Prozent an einem Hodgkin-Lymphom, 10 Prozent an einem Nierentumor, 9 Prozent an einem Weichteilsarkom.

Im Vergleich mit den Geschwistern hatten die Krebsüberlebenden 30 Prozent häufiger Infekte, Pneumonien traten fast viermal so oft auf, eine Hepatitis war zweieinhalbfach und eine Sinusitis 1,8-fach öfter zu beobachten.

In absoluten Zahlen traten schwere sinopulmonale Infekte bei 22 Prozent auf, gefolgt von urogenitalen Entzündungen (bei 7 Prozent). Bei Mädchen war die Infektionsrate um 70 Prozent höher als bei Jungen. Dies ließ sich großenteils mit einer fast siebenfach erhöhten Rate für Urogenitalinfekte erklären.Solche Infekte sind zwar bei Mädchen generell häufiger, aber nicht in diesem Ausmaß.

Als Risikofaktoren für Infekte erwiesen sich ein höheres Alter bei der Diagnose sowie ein Hodgkin-Lymphom. Und: Kinder mit einer Ganzkörperbestrahlung erkrankten doppelt so oft an gastrointestinalen Infekten wie solche ohne.

Infektbedingte Sterberate vierfach erhöht

Die altersstandardisierte infektbedingte Sterberate war bei den Krebsüberlebenden etwa vierfach höher als in der Allgemeinbevölkerung. Besonders betroffen waren Mädchen - sie starben dreifach häufiger als Jungen mit Krebs. Kinder mit Ganzkörperbestrahlung starben achtfach häufiger als solche ohne.

Am stärksten gefährdet, an einer Infektion zu sterben, sind danach Mädchen mit einer Ganzkörperbestrahlung im Alter von mehr als 15 Jahren bei Diagnosestellung. Insgesamt waren 20 Jahre nach der Diagnose aber weniger als 0,3 Prozent der Kinder an einer Infektion gestorben.

Ärzte sollten sich bei Kindern nach überstandener Krebserkrankung besonders um den Immunschutz kümmern, raten die Studienautoren. Impfungen sind danach für Kinder nach einem Tumor besonders wichtig. (mut)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Kasuistik

Seltene Ursache rezidivierender Hypoglykämien

Krankenkassen-Auswertung

Immer mehr Menschen erkranken an Hautkrebs

Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Vaginalmykosen neu denken: Pathogenese, Zyklus und Therapie

© piyato | iStock

Vaginalmykose im Fokus

Vaginalmykosen neu denken: Pathogenese, Zyklus und Therapie

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Intimhygiene: Was die vaginale Schleimhaut wirklich braucht

© iStock / okskukuruza

Vaginale Gesundheit

Intimhygiene: Was die vaginale Schleimhaut wirklich braucht

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Impfstoffeffektivität gegen Post COVID-Beschwerden

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [14]

Jährliche COVID-19-Impfung

Empfohlen für ein breites Risikokollektiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioNTech Europe GmbH, Mainz
Abb. 1: Vorteile von Vamorolon

© Santhera Pharmaceuticals (Deutschland) GmbH, modifiziert nach [3−5, 6]

Duchenne-Muskeldystrophie (DMD)

Neue Perspektiven für die Versorgung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Santhera Pharmaceuticals (Deutschland) GmbH, München
Abb. 1: Verlauf des Rett-Syndroms

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Rett-Syndrom

Diagnose und Verlauf einer herausfordernden Erkrankung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Acadia Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Interview zum Urologie-Kongress

Wie wird KI die Urologie verändern, DGU-Präsidentin Krege?

Lesetipps
Eine Glühbirne

© Sergey Nivens / stock.adobe.com

Überblick

Zu unserer Themenseite Praxiswissen

Ältere Frau bei einer Psychiotherapie

© Herbie / Fotolia

Multimodale Therapie

Dystonien: Welche alternativen Therapieansätze gibt es?

Smartphones mit Gemini und Chat-GBT

© Lorenzo Di Cola | NurPhoto / picture alliance

Künstliche Intelligenz

Warum die KI eine Hausärztin fälschlicherweise für tot erklärte