Ärzte Zeitung, 28.07.2016
 

Nurses? Health Study II

Feinstaub: Doch keine Ursache für Brustkrebs?

Eine neue Analyse entlastet Feinstaub vom Verdacht, Brustkrebs zu fördern. Die Luftverschmutzung durch Straßenverkehr bleibt trotzdem im Dunstkreis der Verdächtigen.

BOSTON. Die Liste der mit Feinstaub in Verbindung gebrachten Krankheiten ist in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen. Als gefährlich gelten vor allem ultrafeine Teilchen mit Durchmesser von maximal 2,5 μm (PM2,5). Bei starker Exposition scheint es unter anderem häufiger zu Asthma, Lungenkrebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebstodesfällen zu kommen.

Widersprüchliche Daten gibt es zu den Auswirkungen von Feinstaub auf das Brustkrebsrisiko. Ärzte um Jaime E. Hart,Brigham and Women's Hospital and Harvard Medical School, Boston, haben deshalb die prospektiv erhobenen Daten der Nurses? Health Study II analysiert. Die jetzt veröffentlichten Ergebnisse liefern allerdings keinerlei Hinweise auf ein erhöhtes Risiko (CEBP 2016; online 2. Juni).

An der Studie waren fast 116.000 zunächst gesunde Frauen (25-40 Jahre alt) beteiligt; 3416 entwickelten während der Beobachtungszeit (1993-2011) ein invasives Mamma-Ca. Anhand der zweijährlich aktualisierten Adressen der Probandinnen wurden Wohnortnähe zu verkehrsreichen Straßen und mittlere monatliche Feinstaubbelastung ermittelt. Bei keiner der erfassten Partikelgrößen (PM2,5, PM2,5-10, PM10) gab es einen signifikanten Zusammenhang zwischen Feinstaubbelastung und dem Auftreten von Brustkrebs. Das galt für Hormonrezeptor-positive wie -negative Karzinome und unabhängig vom menopausalen Status der Frauen.

Trotz dieser negativen Ergebnisse halten die Studienautoren es für möglich, dass bei starker Exposition gegenüber Schadstoffen aus dem Straßenverkehr das Risiko für Brustkrebs leicht steigen könnte.

In der Studie hatten Frauen, die weniger als 50 Meter von den größten Straßenarten entfernt wohnten, eine um 60 Prozent höhere Brustkrebsrate als Frauen, die in mindestens 200 Metern Entfernung lebten. Der Unterschied war zwar nicht signifikant und beruhte auf nur acht Krebspatientinnen in direkter Nähe großer Straßen. Hart und Kollegen weisen jedoch darauf hin, dass der Befund mit vielen anderen Studien in Einklang stehe, die eine positive Assoziation von Stickoxiden und anderen verkehrsbedingten Luftschadstoffen mit Brustkrebs ergeben haben. (bs)

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