Ärzte Zeitung online, 29.12.2016

Forschung

Krebstherapie mit Metformin plus Antihypertensivum?

Nach Studienergebnissen wirkt der Cocktail aus Metformin und Syrosingopine bei einem breiten Spektrum von Krebsarten.

BASEL. Mit einer Kombi aus Diabetesmittel und Blutdrucksenker können Krebszellen effektiv bekämpft werden. Wie Forscher unter der Leitung von Professor Michael Hall vom Biozentrum der Universität Basel berichten, sprechen spezifisch Krebszellen auf diese Wirkstoffkombi an (Science Advances 2016, online 23. Dezember).

Über 1000 Wirkstoffe getestet

Neben seiner blutzuckersenkenden Wirkung hat Metformin auch krebshemmende Eigenschaften. Die übliche therapeutische Dosis sei jedoch zu gering für eine effektive Krebsbekämpfung, teilt die Universität Basel zur Veröffentlichung der Studie mit.

In höheren Dosen bremse das Antidiabetikum zwar das Wachstum von Krebszellen, damit gehen aber auch unerwünschte Nebenwirkungen einher. Deshalb hätten die Forscher über tausend Wirkstoffe dahingehend getestet, ob sie die krebshemmende Wirkung von Metformin verstärken können.

Syrosingopine als favorisierter Kombi-Partner

Bei diesem Screening kristallisierte sich ein Favorit heraus: Syrosingopine, ein Mittel gegen Bluthochdruck: Die krebshemmende Wirkung von Metformin entfaltet sich bereits bei geringen Dosen, wenn es mit Syrosingopine kombiniert wird. Nach den Ergebnissen der Studie wirkt der Cocktail aus beiden Arzneien bei einem breiten Spektrum von Krebsarten; er treibt Krebszellen in die Apoptose.

"In Proben von Leukämie-Patienten konnten wir zum Beispiel nachweisen, dass nahezu alle Tumorzellen durch den Cocktail getötet wurden und dies bei Dosen, die eigentlich nicht toxisch für die Zellen sind", wird Erstautor Don Benjamin in der Mitteilung der Universität Basel zitiert. "Und die Wirkung beschränkte sich auch ausschließlich auf die Krebszellen, denn Blutzellen von gesunden Spendern waren unempfindlich für die Behandlung."

Metformin blockiert Atmungskette in Mitochondrien

Bei Mäusen mit Leberkarzinom bildeten sich nach der Therapie die Tumoren zurück – bei einigen Tieren verschwand der Tumor sogar gänzlich.

Ein Blick auf die molekularen Vorgänge in der Tumorzelle erklärt die tödliche Wirkung der Kombi-Therapie: So senkt Metformin nicht nur den Blutzuckerspiegel, sondern blockiert auch die Atmungskette in den Mitochondrien. Syrosingopine hemmt unter anderem den Abbau von Zuckern.

"Wir konnten nun nachweisen, dass beide Medikamente zusammen einen größeren Effekt auf die Proliferation von Krebszellen haben, als jeder Wirkstoff für sich allein", so Benjamin. "Unsere Ergebnisse belegen, dass es sinnvoll ist, die Entwicklung kombinierter Ansätze zur Behandlung von Krebspatienten voranzutreiben." (eb)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Beginnt die MS im Dünndarm?

Im Dünndarm werden wohl "Schläfer-T-Zellen" aktiviert, die eine MS triggern. Jetzt sind Forscher auf der Suche nach dem Auslöser – und haben Keime im Verdacht. mehr »

Wie die Neurologie von der Flüchtlingskrise profitiert

Migranten sind für Europa eine Herausforderung, doch sie bringen auch neue Erkenntnisse: Mediziner können durch Zuwanderer erforschen, wie Gene und Umwelt mit neurologischen Krankheiten zusammenhängen. mehr »

Hausbesuche bringen wohl mehr Honorar

Beim GKV-Spitzenverband gilt als ausgemacht, dass die Ärzte für eine Ausweitung der Mindestsprechzeiten nur sparsam honoriert werden sollen. Das Honorarsystem soll keine Gelddruckmaschine für Ärzte sein. Eine Ausnahme könnte es geben: Hausbesuche. mehr »