Ärzte Zeitung, 01.02.2017

Paravasat-Prophylaxe

i.v.-Therapie mit flexiblen Kanülen!

Paravasate von Tumortherapeutika sind gefürchtet, aber meist vermeidbar.

Wenn ein intravenös zu verabreichendes Tumortherapeutikum in das umliegende Gewebe gelangt, kann das Folgen haben, die von der lokalen Entzündung bis zu großflächigen Nekrosen, Funktionsverlust der Extremität, ja bis zur Amputation reichen können.

In der S3-Leitlinie zur onkologischen Supportivtherapie werden Substanzen tabellarisch nach ihrem Schädigungstyp aufgeführt, ob sie also nekrotisierend wirken (Vesicans), nur reizend (Irritans) oder nicht gewebeschädigend sind (Non Vesicans). Dies zu wissen, ist bereits eine wichtige Präventionsmaßnahme.

Weiterhin wird empfohlen, den Gefäßzugang möglichst in Unterarmmitte anzulegen und dieselbe Vene nicht mehrfach zu punktieren. Flexible Kanülen sind zu bevorzugen und sicher zu fixieren, "möglichst mit Einsicht auf die Punktionsstelle".

Applikation nicht gegen Widerstand

Zur Lagekontrolle des Gefäßzugangs gehört die Aspiration von Blut und die Spülung mit Kochsalzlösung. Letzteres wiederholt sich nach der Applikation, um Substanzrückstände zu verhindern. Die Applikation soll nicht gegen Widerstand erfolgen, der Zugang muss regelmäßig kontrolliert werden.

Müssen mehrere Medikamente intravenös verabreicht werden, kommt zuerst das Vesicans an die Reihe. Von der Applikation mit Perfusor und Dauerinfusionen über einen peripher venösen Zugang wird abgeraten. Bolus-Injektionen sollten bevorzugt über ein Y-Stück vorgenommen werden.

Kommt es doch zu einem Paravasat, soll zunächst so viel wie möglich aspiriert und erst dann unter Aspiration die Kanüle oder Portnadel entfernt werden. Außer Allgemeinmaßnahmen und der Schmerztherapie stehen verschiedene Antidota zur Verfügung. Hilfreich kann zudem die lokale Thermotherapie sein. (ner)

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