Ärzte Zeitung online, 03.05.2017
 

Urothelkarzinom

Benigne Krankheiten verzögern die Krebsdiagnose bei Hämaturie

Bei Patienten mit Krebs der oberen Harnwege, die sich mit Hämaturie vorstellen, wird die Diagnose oft verschleppt – vor allem, wenn gleichzeitig gutartige Differenzialdiagnosen vorliegen.

Von Beate Schumacher

Benigne Krankheiten verzögern die Krebsdiagnose bei Hämaturie

Hämaturie? Wie schnell bei diesem Befund Krebs diagnostiziert wird, hängt auch vom Arzt ab.

© Alexander Raths / fotolia.com

BALTIMORE. Rund ein Drittel aller Patienten, die mit einer Hämaturie als Erstmanifestation eines Urothelkarzinoms der oberen Harnwege (upper tract urothelial carcinoma, UTUC) einen Arzt aufsuchen, erhalten nach Daten aus den USA erst nach mehr als 90 Tagen eine Krebsdiagnose. Bei Männern vergeht im Schnitt noch etwas mehr Zeit als bei Frauen. Ob die Diagnose verschleppt wird, hängt aber vor allem davon ab, ob gleichzeitig benigne urologische Erkrankungen vorliegen und ob der Patient früh dem Facharzt vorgestellt wird.

Für die Studie werteten Ärzte der Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore die Krankenakten von 1326 privat versicherten UTUC-Patienten im Alter unter 65 Jahren aus, bei denen im Jahr vor der Krebsdiagnose eine neu aufgetretene Hämaturie dokumentiert worden war (BJU Int 2017, online 18. April;). Bei 469 Patienten (35,4 Prozent) waren zwischen den beiden Diagnosen mehr als 90 Tage vergangen. Das mediane Intervall betrug bei Männern 60 und bei Frauen 49 Tage.

Unter Berücksichtigung anderer Einflüsse war die Geschlechtszugehörigkeit jedoch nicht relevant für die Zeit bis zur Krebsdiagnose. Ausschlaggebend war vielmehr, ob bei den Patienten nach Auftreten der Hämaturie ein Harnwegsinfekt, ein Nierensteinleiden oder eine erstmalige oder erneute Prostataerkrankung festgestellt worden war. In diesen Fällen war das Risiko einer verschleppten Krebsdiagnose um 52, 23, 37 beziehungsweise 61 Prozent erhöht.

Wie lange die Krebspatienten bis zur korrekten Diagnose warten mussten, hing zudem entscheidend von den aufgesuchten Ärzten ab: Bei Männern in nichturologischen Praxen waren alle vier benignen Erkrankungen mit einer verspäteten Diagnostik assoziiert; die relativen Risikoerhöhungen betrugen 44, 25, 41 und 94 Prozent. Männer, die gleich von Urologen untersucht wurden, erhielten dagegen nur bei Harnwegsinfekten häufiger eine verzögerte Krebsdiagnose.

Die Studienautoren um Meera R. Chappidi befürchten, dass die Verzögerung dazu beitragen kann, dass Karzinome der oberen Harnwege erst in einem späteren Stadium entdeckt werden und sich dadurch die Überlebenschancen der Patienten verschlechtern. Sie hoffen auf die Entwicklung nichtinvasiver Techniken, die eine bessere Risikostratifizierung von Patienten mit Hämaturie ermöglichen.

Außerdem müsste vor allem Nichturologen die Wichtigkeit einer sorgfältigen Hämaturieabklärung und die Kenntnis häufiger "Nachahmer" von UTUC vermittelt werden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Statine mit antibakterieller Wirkung

Die kardiovaskuläre Prävention mit einem Statin schützt möglicherweise auch vor Staphylococcus-aureus-Bakteriämien. Das hat eine dänische Studie ergeben. mehr »

Das steht in der neuen Hausarzt-Leitlinie

Die brandneue S3-Leitlinie Multimorbidität stellt den Patienten als "großes Ganzes" in den Mittelpunkt – und gibt Ärzten eine Gesprächsanleitung an die Hand. mehr »

Jamaika – Paritätische Finanzierung ist vom Tisch

Ein neues Sondierungspapier zeigt: Die potenziellen Jamaika-Partner suchen nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner in der Gesundheitspolitik. mehr »