Ärzte Zeitung online, 28.05.2018

Pinkeln statt Piksen

Taugt die Urinprobe zur Krebsdiagnostik?

Eine Spritze fürchten viele Patienten, doch die Blutabnahme muss für die Tumorfrüherkennung sein. Simple Urinproben könnten Alternativen sein. Doch es gibt Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

Von Alexander Joppich

Taugt die Urinprobe für Krebsdiagnose?

Das CAU-Forschungsteam möchte zur Krebsdiagnose künftig Urin statt Blut verwenden.

© Christian Urban, Uni Kiel

KIEL. Forscher der Christian-Albrechts-Universität in Kiel wollen Urintests zur Krebsdiagnostik einsetzen: Sie arbeiten daran, aus Urin genug zellfreie DNA (cell-free DNA, cfDNA) zu extrahieren, um Krebs zu identifizieren. Erste Ergebnisse haben die Kieler, gemeinsam mit litauischen Kollegen, im Fachmagazin "BioTechniques" veröffentlicht (10.2144/btn-2018-0003).

Zellfreie DNA entsteht, wenn Zellen absterben oder bei der genetischen Segregation. Auch Tumoren bilden jene DNA-Bruchstücke außerhalb von Körperzellen, wenn Krebszellen absterben. Die Gen-Teile strömen dann in verschiedenen Körperflüssigkeiten wie Blut oder Urin.

Mehrfache Menge nötig

Das Problem: Im Blutplasma ist deutlich mehr zellfreie DNA vorhanden als im Urin. Den Forschern ist es nun gelungen, aus 60 Millilitern Urin – etwa einem halben Urinbecher – so viel zellfreie DNA zu sammeln wie bei einer 10 ml- Blutprobe. Sie testeten zwei auf dem Markt verfügbare cfDNA-Kits in einer kleinen Studie an acht gesunden Probanden (50% Frauen).

Die Ausbeute an cfDNA war bei Frauen höher als bei Männern, stellten die Wissenschaftler fest. Auch sei die cfDNA-Menge individuell sehr verschieden. Darüber hinaus erhielten sie mittels des PerkinElmer-Testkits mehr zellfreie DNA als mit dem Testverfahren von Norgen Biotek, schreiben die Autoren in der Studie.

Zwei Kits im Vergleich

Die Kieler schließen daraus, dass das PerkinElmer-Kit effizienter im Sammeln von kurzen DNA-Abschnitten ist. Der Preis des erfolgreicheren Kits war laut den Forschern auch deutlich niedriger, der Test benötigte nur die Hälfte der Analysezeit und weniger zu testenden Urin.

Bei den Urintests schielen die Forscher auf eine einfachere Anwendbarkeit im Vergleich zu Bluttests: Statt eines unangenehmen Piks müsse der Patient nur eine Urinprobe abgeben. Auch ist für die Probe kein medizinisches Personal notwendig, was den Test günstiger macht. Zudem ist die Analyse wohl auch schneller.

Vergleich steht aus

In einem nächsten Schritt wollen die Forscher nun testen, ob die Krebsdiagnostik durch Urinproben genauso effektiv funktioniert wie die durch Blutproben. "Dazu werden wir anhand der vorliegenden Proben der Studienteilnehmer die genetischen Spuren eines Tumors im Blutplasma und Urin vergleichen und schauen, ob auf beiden Wegen ein Nachweis der Erkrankung möglich ist", sagt Michael Forster von der Kieler Universität in einer Mitteilung. Ein marktreifer klinischer Test liege allerdings noch in ferner Zukunft.

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