Forschung und Praxis, 02.05.2006

Topotecan: Mittel der Wahl bei SCLC-Rezidiv

Substanz bessert auch Allgemeinzustand der Patienten

Dr. Wolfgang Schütte: Eine Behandlung mit Topotecan wirkt sich günstig auf die Überlebenszeit aus. Foto: nsi

Patienten mit kleinzelligem Bronchialkarzinom (SCLC) sollten nach Versagen der Erstlinientherapie eine weitere Chemotherapie erhalten, auch wenn ihr Allgemeinzustand nicht gut ist. Als Mittel der Wahl für diese auf Studiendaten basierte Empfehlung sehen Onkologen hier den Topoisomerase-Hemmer Topotecan.

Kommt es bei Krebspatienten nach einer Erstlinienchemotherapie zu einem Rezidiv, ist guter Rat manchmal teuer. Sollte eine erneute Chemotherapie versucht werden, oder ist eine weitere Belastung für den Patienten aufgrund fehlenden Nutzens nicht sinnvoll? Das Vorgehen hängt dann von mehreren Faktoren ab und muß bei jedem Patienten individuell geklärt werden. Beim SCLC scheint die Lage hingegen recht eindeutig zu sein.

In einer Studie mit 141 Patienten mit SCLC-Rezidiv profitierten auch Patienten von einer Therapie mit Topotecan (Hycamtin®), wenn sie in einem schlechten Allgemeinzustand waren (Performance Status 2), wie in Berlin Professor Martin Wolf vom Klinikum Kassel berichtete. Mit Topotecan betrug das mediane Überleben bei diesen Patienten 21 Wochen, mit der Vergleichstherapie bestehend aus "Best Supportive Care" (BSC) - also optimale symptomatische Behandlung - hingegen nur acht Wochen.

Zudem kann die Topotecan-Therapie auch dazu beitragen, daß sich der Allgemeinzustand der Patienten verbessert, was sich wiederum positiv auf das Überleben auswirkt, wie Dr. Wolfgang Schütte vom Städtischen Krankenhaus in Halle-Dölau berichtete. "Wenn wir Patienten mit einem schlechten Allgemeinzustand behandeln, können wir rasch sehen, ob die klinischen Symptome zurückgehen, und dann können wir die Therapie auch fortsetzen", sagte Schütte bei der von GlaxoSmithKline organisierten Veranstaltung.

Ausgeprägte Metastasen, wie hier in der Iris, verschlechtern die Prognose von Patienten mit Bronchialkarzinom. Foto: Meyer, Basel

Ein weiterer Faktor, der die Prognose bei SCLC-Patienten verschlechtert, sind Metastasen. Aber auch hier konnte in Studien ein Vorteil durch die Topotecan-Behandlung belegt werden, wie Schütte sagte.

Ebenfalls ungünstig für die Prognose ist eine refraktäre oder resistente Reaktion der Patienten auf die Erstlinientherapie, wenn sie also nicht auf das Medikament ansprechen oder bereits innerhalb von drei Monaten ein Rezidiv entwickeln. Doch auch hier ergab sich ein Vorteil der Topotecan-Therapie im Vergleich zu BSC.

"Schlechter Allgemeinzustand, Metastasenbildung und ein kurzes Intervall bis zum Rezidiv sind also kein Anlaß, SCLC-Patienten keine weitere Therapie anzubieten", faßte Schütte zusammen. Aufgrund der Datenlagen sei für ihn Topotecan das Mittel der Wahl, so Schütte. (sko)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text