Ärzte Zeitung, 17.09.2007

Krebs-Antikörper jetzt auch bei Bronchial-Ca zugelassen

Chemotherapie plus Bevacizumab verlängern medianes Überleben bei nichtkleinzelligem Bronchial-Ca / Arznei mit Galenus-Preis ausgezeichnet

FRANKFURT AM MAIN (ple). Der bisher bei Patienten mit nichtkleinzelligem Bronchial-Ca erzielte Therapieerfolg lässt sich noch verbessern: Wird zusätzlich zur Chemotherapie der Antikörper Bevacizumab gegeben, leben die Patienten länger als mit der bisherigen platinhaltigen Chemotherapie.

Den Therapieerfolg mit dem Antikörper belegen etwa die Ergebnisse einer Phase-III-Studie. An ihr hatten fast 900 noch unbehandelte Patienten mit nichtkleinzelligem Bronchial-Ca (NSCLC) teilgenommen. Die Studiendaten sind Grundlage der Zulassungserweiterung von Bevacizumab (Avastin®) im vergangenen Monat zur Erst-Linien-Therapie, und zwar bei metastasiertem NSCLC ohne vorwiegende Plattenepithel-Histologie. Außerdem ist das Arzneimittel bereits zugelassen bei Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom oder mit Brustkrebs.

Durch die Therapie mit Bevacizumab in Kombination mit Paclitaxel/Carboplatin lebten die Patienten im Median noch 12,3 Monate, wie Professor Frank Griesinger aus Oldenburg berichtet hat. In der Vergleichsgruppe, in der die Patienten statt Bevacizumab ein Scheinpräparat erhielten, lag dieser Wert bei nur 10,3 Monaten.

Das ist ein signifikanter Unterschied, wie der Onkologe bei der Einführungspresse-Konferenz von Roche Pharma in Frankfurt am Main berichtete: "Dieser Therapieerfolg konnte bisher in keiner anderen Studie gezeigt werden." Mit einem Anteil von fast 90 Prozent waren die Patienten bereits im Stadium IV der Erkrankung, hatten also schon Fernmetastasen. Die NSCLC-Diagnose erfolgt bei fast 60 Prozent der Patienten erst in diesem Stadium.

Bevacizumab ist ein humanisierter monoklonaler Antikörper, der an den Wachstumsfaktor für Gefäße (Vascular Epidermal Growth Factor, VEGF) bindet. Der Antikörper verhindert, dass VEGF an Endothelzellen andockt. Tumoren benötigen aber zum Wachstum und zur Metastasierung die Angiogenese, die durch VEGF stimuliert wird.

Bevacizumab hat in diesem Jahr den von der "Ärzte Zeitung" gestifteten Galenus-von-Pergamon-Preis erhalten. Mit dem Preis werden herausragende, innovative Arzneimittel ausgezeichnet. Der Galenus-von-Pergamon-Preis ist die deutsche Ausgabe des internationalen Prix Galien.

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