Ärzte Zeitung, 29.04.2010

Kommentar

Keine Vorsorge in Magerversion!

Von Angela Speth

Zugegeben, es klingt bestechend: nicht mehr einen ganzen Tag lang aufs Essen verzichten, nicht mehr zwei bis drei Liter trinken, nicht mehr mit Durchfall zur Toilette rennen müssen. Die Darmreinigung ist die große Hürde der Koloskopie, da beißt die Maus keinen Faden ab. Mit der "kleinen" Darmspiegelung, so suggeriert eine aktuelle britische Studie, kommt man um diese Widrigkeiten herum und hat doch eine hinreichend hohe Sicherheit, in den nächsten Jahren vor Darmkrebs geschützt zu sein: bloß ein Einlauf, dann ein schneller Check - tschüss, das war's.

Kann denn nicht mal etwas wirklich so einfach sein? Richtig ist, dass ab der linken Flexur aufwärts "nur" ein Drittel der Kolonkarzinome wachsen. Doch gerade die haben es in sich. Grund: In den frühen Phasen der Verdauung, besonders am Übergang vom Dünn- zum Dickdarm, ist der Stuhl noch flüssig, der Nahrungsbrei passiert selbst Engstellen leicht. Das bedeutet: Wucherungen machen oft erst in den Stadien T3 bis T4 Beschwerden, wenn meist schon Metastasen gestreut haben. Das Signal der britischen Forscher ist also im konkreten Sinn des Wortes fatal. Die bessere Botschaft kann nur lauten: Wenn Vorsorge, dann die richtige Koloskopie - aber nicht die halbe Sache.

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