Ärzte Zeitung, 12.05.2005

Lymphompatienten profitieren von strahlenden Antikörpern

Betastrahler an monoklonalen Antikörper gekoppelt / Isotop trägt dazu bei, daß die Ansprechrate bei 80 Prozent liegt

BASEL (grue). Für Patienten mit rezidivierten B-Zell-Lymphomen ist die Radioimmuntherapie eine gute Option, auch weil sie es ermöglicht, daß mehr als ein Drittel der Betroffenen in eine Langzeitremission kommen.

Die Radioimmuntherapie (RIT) ist für zuvor behandelte Patienten mit CD20-positiven follikulären Non-Hodgkin-Lymphomen vom B-Zell-Typ zugelassen. Es ist eine Einmaltherapie mit dem monoklonalen Antikörper Ibritumomab-Tiuxetan (Zevalin® von MedacSchering Onkologie), der an den Betastrahler Y-90 (Ytracis® von Schering) gekoppelt ist. Die Therapie erfordert keine erhöhten Strahlenschutzmaßnahmen und kann nach Empfehlung der Strahlenschutzkommission ohne individuelle Dosisanpassung in qualifizierten Zentren ambulant erfolgen.

    Auch große, wenig vaskularisierte Tumoren werden erreicht.
   

Die seit 2004 in Europa zugelassene RIT sei ein wesentlicher Fortschritt für Patienten mit rezidivierten oder therapierefraktären Lymphomen, sagte Professor Werner Linkesch aus Graz auf einer Veranstaltung des Unternehmens Schering in Basel. "Die von Natur aus strahlensensiblen Lymphome sprechen auf die Kombination aus Antikörper und Isotop besonders gut an, so daß auch große und gering vaskularisierte Tumoren damit erreicht werden".

Die Ansprechraten liegen abhängig vom Ausgangsbefund und der Vortherapie bei etwa 80 Prozent und damit signifikant höher als nach einer Monotherapie mit dem Antikörper Rituximab. Auch ältere Patienten vertragen die Behandlung relativ gut, verträglich, wobei meist gering ausgeprägte, verzögerte Hämatotoxität auftreten kann.

Die Rate an schweren Thrombozytopenien (WHO Grad IV) läßt sich noch deutlich reduzieren, wenn die Patienten schon nach dem ersten Rezidiv eine RIT bekommen. Im Vergleich zu zuvor mehrfach behandelten Patienten ist die Remissionsrate höher und die Zeit bis zum erneuten Fortschreiten der Erkrankung länger. Im Mittel profitierten die Patienten 17 Monate, nach kompletter Remission sogar 26 Monate von der RIT, sagte Linkesch.

Er wies dabei auf den hohen Anteil von Patienten hin, die in den Studien für über zwölf Monate auf die Einmaltherapie angesprochen haben. "Das waren immerhin 37 Prozent, davon zwei Drittel mit kompletter Remission". Diese Patienten gewännen wertvolle therapiefreie Zeit. Die RIT gelte zudem als sehr sicher. Ihm sei noch kein Patient mit sekundärer Leukämie bekannt geworden.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Neue Hoffnung auf wirksame Alzheimer-Therapie

Lässt sich der Krankheitsverlauf bei Alzheimer mittels Antikörper doch bremsen? Erstmals deutet sich ein solcher Erfolg in einer größeren Studie an. Das weckt Hoffnungen. mehr »

Was die Datenschutz-Folgenabschätzung ist

Praxen, Kliniken und MVZ, die in großem Stil Patientendaten verarbeiten, müssen laut DSGVO eine Datenschutz-Folgenabschätzung absolvieren. Medizinrechtler erläutern, wie das geht und was das überhaupt ist. mehr »

Tele-Hausarzt horcht aus der Ferne ab

Dr. Rafael Walocha betreut als Tele-Hausarzt Bewohner eines Pflegeheims per Video. Dabei kann er die Patienten sogar elektronisch auskultieren. Arzt und Patienten sind begeistert. mehr »