Brustkrebs-Diagnostik per Biochip

HAMBURG (eis). Jede zehnte Frau in Deutschland bekommt in ihrem Leben Brustkrebs, 45 000 Frauen erkranken jedes Jahr neu daran. Präzise Aussagen zum Krankheitsstadium und zur Schwere der Erkrankung sind mit Biochips möglich.

Veröffentlicht:

Die bisher meist in der Grundlagenforschung eingesetzten Chips klären mit einem Test hunderte genetische Merkmale eines Tumors auf einmal ab. Für die breite Anwendung in der Klinik wird das Unternehmen Eppendorf jetzt erstmals einen solchen kommerziell erhältlichen Chip zur Brustkrebs-Diagnostik auf der Medica vorstellen (Halle 3/A92). Mit den Ergebnissen hoffen Forscher, künftig die Therapien verbessern zu können.

70 Prozent aller Brustkrebspatientinnen ohne Lymphknotenbefall leben heute mindestens zehn Jahre nach der Tumor-Resektion, wie Professor Cornelius Knabbe vom Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart berichtet hat. Werden die Patientinnen zusätzlich adjuvant etwa mit Chemo- oder Radiotherapie behandelt, läßt sich diese Überlebensrate auf 76 Prozent steigern. Für viele Frauen sei eine solche belastende Behandlung also überhaupt nicht nötig, sagte der Labormediziner beim Medica Preview in Hamburg.

Ziel der Biochip-Diagnostik ist es, Tumoren exakt zu klassifizieren, um für jede Tumorvariante und für jedes Stadium eine optimale Therapie entwickeln zu können. Für die Patientinnen hieße das eine möglichst schonende Behandlung einerseits mit höchsten Heilungs-Chancen andererseits.

Auf dem jetzt vorgestellten DualChipTM werden in einer Probe aus Tumorbiopsat 160 Gene zur Klassifizierung verschiedener Krebstypen (etwa mesenchymal oder hormonell) sowie 47 Gene zur Unterscheidung von erblich bedingten Brustkrebstypen (etwa BRCA1 und BRCA2) abgeklärt.

Als Resultat erhalten Ärzte nicht den genetischen Fingerabdruck des Tumors, sondern seine genetische Handschrift, wie Dr. Sven Bülow von dem Unternehmen berichtet hat. Analysiert wird nämlich nicht die DNA der Tumorzellen, sondern die momentan darin befindliche Boten-RNA und damit Hinweise auf die gerade in den Zellen angeschalteten Gene. Forscher hoffen nun, anhand der Ergebnisse etwa sehr aggressive Tumorvarianten herausfinden zu können.

In einer Studie ist belegt worden, daß die Biochip-Testergebnisse mit Ergebnissen von herkömmlichen Methoden bei der Untersuchung von Brustkrebszellinien gut übereinstimmen, wie Bülow weiter berichtet hat. Die Klassifizierung von Tumoren mit dem Chip werde derzeit in einer großen Studie mit 750 Patientinnen in mehreren Ländern Europas und Nordafrikas überprüft, sagte Bülow.

Der Brustkrebs-Biochip ist übrigens nicht der einzige in der Entwicklung des Unternehmens. Noch dieses Jahr sollen zwei weitere Krebs-Biochips auf den Markt kommen und 2005 ebenfalls zwei. Außerdem will das Unternehmen schon bald Biochips zum Test auf Antibiotika-Resistenzen und für die Untersuchung auf gentechnisch modifizierte Lebensmittel einführen.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Screeningstudie MASAI

Weniger Intervallkarzinome mit KI-unterstützter Mammografie

Das könnte Sie auch interessieren
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Mittlere Veränderung des DAS28-CRP bis Woche 52 gegenüber Ausgangswert (primärer Wirksamkeitsendpunkt)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Anti-TNF-Therapie

Erstes Golimumab-Biosimilar erweitert Therapiespielräume bei RA, PsA, axSpA und pJIA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Nutzen durch randomisierte Studie belegt

Qigong-Übungen senken erhöhten Blutdruck

Lesetipps
Tablette, auf der GLP-1 steht

© THIBNH / Generated with AI / Stock.adobe.com

Neuer GLP-1-Rezeptoragonist

Orforglipron: Bekommt Semaglutid jetzt Konkurrenz?

Ein Stempel mit der Aufschrift "Regress"

© Gina Sanders / stock.adobe.com |

Interview zum Vertragsarztrecht

Regress-Prävention: Wie Ärzte Formfehlern aus dem Weg gehen