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Leitlinie zu Brustkrebs ist brandaktuell

Aufgrund wichtiger neuer Studiendaten zu Brustkrebs hat die Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe ihre Leitlinie überarbeitet. Viel getan hat sich in der adjuvanten Therapie.

Ingrid KreutzVon Ingrid Kreutz Veröffentlicht:
Eine Kollegin beurteilt ein Mammogramm. Immer häufiger werden Mammakarzinome bereits im frühen Stadium erkannt.

Eine Kollegin beurteilt ein Mammogramm. Immer häufiger werden Mammakarzinome bereits im frühen Stadium erkannt.

© Foto: dpa

Wesentliche Neuerungen gibt es etwa bei der endokrinen Therapie. Außerdem ist ein neues Kapitel hinzugekommen, und zwar zu Bisphosphonaten und ihrer Bedeutung in der Rezidivprophylaxe.

"Wir möchten den Kollegen mit der Leitlinie keine Kochrezepte an die Hand geben, aber einen möglichst aktuellen Rahmen schaffen für ihre tägliche Arbeit", sagte Professor Christoph Thomssen, Vorsitzender der AGO Kommission Mamma bei einer Veranstaltung der AGO und der German Breast Group (GBG) in Frankfurt am Main. Was das konkret bedeutet, erläuterte Professor Gunter von Minckwitz, Stellvertretender Vorsitzender der AGO Kommission Mamma, am Beispiel der adjuvanten Hormontherapie bei Frauen in der Postmenopause mit Brustkrebs.

Nach der Präsentation neuer Studiendaten zur Rezidivprophylaxe mit dem Antiöstrogen Tamoxifen und dem Aromatasehemmer Letrozol vor kurzem beim Breast Cancer Symposium in San Antonio /USA sind diese nun bereits in die AGO-Leitlinie aufgenommen worden. In der BIG-1-98-Studie sei erstmals gezeigt worden, dass Patientinnen in der Postmenopause mit Hormonrezeptor-positivem Mamma-Ca auch dann profitieren, wenn sie nach zwei Jahren mit dem Aromatasehemmer für weitere drei Jahre auf Tamoxifen umgestellt werden, sagte von Minckwitz. Das könne etwa für solche Frauen relevant sein, die unter dem Aromatasehemmer unerwünschte Wirkungen haben wie Gelenkschmerzen.

Und noch etwas wird in der neuen Leitlinie zur adjuvanten Hormontherapie bei Brustkrebs vermittelt: Die drei Aromatasehemmer Anastrozol, Exemestan und Letrozol verbessern nach der aktuellen Datenlage grundsätzlich das rezidivfreie Überleben im Vergleich zu Tamoxifen. Ob sich eine initiale Behandlung mit einem Aromatsehemmer jedoch lohne, müsse individuell mit der jeweiligen Patientin unter Abwägung von Nutzen und Risiken geklärt werden, sagte von Minckwitz. Zu präferieren sei eine initiale Aromatasehemmer-therapie eher bei Frauen mit hohem Rückfallrisiko in den ersten zwei Jahren nach der Diagnose. Das sei etwa der Fall bei ausgeprägtem Lymphknotenbefall, grenzwertiger Hormonrezeptorpositivität sowie bei Grading (G) 3 und großen Tumoren. Frauen mit niedrigem Rezidivrisiko, also solche ohne Lymphknotenbefall, mit G1-Tumor und kleinen Tumoren (< 2 cm), seien eher Kandidatinnen für eine initiale Tamoxifentherapie.

Neu aufgeschlagen wurde in der aktualisierten AGO-Leitlinie zu Brustkrebs ein Kapitel zu Bisphosphonaten. In der adjuvanten Therapie geht es längst nicht mehr nur darum, die Knochen mit Bisphosphonaten zu schützen. Eine weitere Frage stellt sich nun aufgrund der zunehmend besseren Datenlage: Sollen Bisphosphonate adjuvant gegeben werden, um Rezidiven vorzubeugen? Mehrere Studien mit Clodronat zur täglichen oralen Behandlung und mit Zoledronat zur halbjährlichen intravenösen Infusion hätten ergeben, dass das Rückfallrisiko mit einem Bisphosphonat signifikant verringert wird, sagte Professor Nadia Harbeck von der TU München. Auch wenn die beiden Bisphosphonate noch keine Zulassung für diese Indikation hätten, sei der adjuvante Einsatz etwa bei Frauen mit hohem Rezidivrisiko aufgrund der guten Studiendaten bereits zu erwägen. Allerdings sollten sich die Kollegen - gerade bei einem Off-Label-Use - etwa bei der Auswahl der Substanzen, der Dosierung und der Therapiedauer genau an das halten, was in den Studien geprüft wurde, sagte Harbeck.

Die soeben aktualisierte AGO-Leitlinie zu Brustkrebs steht im Internet: www.ago-online.de

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