Ärzte Zeitung, 20.05.2010

PRO & CONTRA Brustkrebsscreening

CONTRA

Schräge Kommunikation

Von Helmut Laschet

Unbestritten hat die Einführung des Mammografie-Screenings einen Fortschritt gebracht: eine systematische Qualitätsverbesserung und damit ein Ende des sogenannten, zu Recht kritisierten grauen Screenings.

Allerdings ist die mit politischer Vehemenz betriebene Implementation des Screenings mit überzogenen Erwartungen befrachtet worden. Mit dem Ziel, möglichst hohe Teilnehmerraten zu erreichen, wurden häufig nur die relativen Verbesserungen - 30 Prozent Verringerung der Brustkrebssterblichkeit - kommuniziert. Die absolute Veränderung, die bei etwa einem Promille liegt, wurde hingehen verdrängt. Auf der Basis einer solchermaßen unzulänglichen Kommunikation ist eine individuelle, wohlinformierte Entscheidung der betroffenen Frauen nicht möglich.

Und noch eins: Einen Effekt auf die Gesamtmortalität hat das Brustkrebs-Screening nicht. Eine gesundheitsökonomische Evaluation steht trotz der hohen Kosten von mehreren hundert Millionen Euro pro Jahr aus. Das ist angesichts der Forderung der Ärzteschaft nach Priorisierung schwer verständlich.

PRO

Die Sterberate ist nicht alles

Von Ingrid Kreutz

Jährlich erkranken etwa 57 000 Frauen in Deutschland an Brustkrebs. Und 18 000 Frauen sterben daran. Hält das seit kurzem bundesweit eingeführte Mammografie-Screening für Frauen zwischen 50 und 69 Jahre, was Studiendaten aus anderen Ländern versprechen, dürfte sich die Brustkrebssterberate um etwa 30 Prozent reduzieren.

Gewiß, für die einzelne Frau ist der Benefit in puncto Sterblichkeit weniger berauschend: Nur eine von 200 Frauen wird bei regelmäßiger Teilnahme am Mammografie-Screening vor dem Tod durch Brustkrebs bewahrt. Die Senkung der Sterberate darf bei der Diskussion um den Nutzen des Programms jedoch nicht alles sein. So werden durch das Screening mehr Mammakarzinome im frühen Stadium erkannt. Und das bedeutet für die betroffenen Patientinnen mehr Chancen auf eine weniger aggressive Therapie. Außerdem haben diese Frauen in der Regel noch mehr Lebensjahre vor sich als bei später Diagnose - auch wenn sie letztlich dann doch an den Folgen des Brustkrebses sterben. Das kann etwa für Frauen mit Kindern im Teenageralter sehr wichtig sein.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
Bei Krebsvorstufen der Brust betragen die Heilungschancen nahezu 100 Prozent

Lesen Sie dazu auch:
Mamma-Screening - die Quote macht Sorgen

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

So teilt sich die Arbeitszeit von Ärzten auf

Wie viel Zeit bringen Ärzte für GKV-Patienten auf, wie viel für Bürokratie? Wie sind die Unterschiede in Stadt- und Landpraxen und den Fachbereichen? Wir geben Antworten. mehr »

Sepsis – "häufigste vermeidbare Todesursache im Land"

Alle sechs bis sieben Minuten stirbt in Deutschland ein Mensch an einer Sepsis. Viele dieser Todesfälle wären vermeidbar. Ärzte, Patientenschützer und Politiker fordern jetzt: Die Blutvergiftung muss als Notfall akzeptiert werden. mehr »

"Hacker kommen wie durch eine offene Tür in Arzt-Systeme"

Nehmen niedergelassene Ärzte Gefahren durch Cyber-Angriffe ernst genug? Sie selbst glauben das mehrheitlich. Ein Sicherheitsexperte gießt Wasser in den Wein. mehr »