Ärzte Zeitung, 01.10.2015

Mammakarzinome verraten

Wessen Brustkrebs zurückkehrt

Ob bei ehemaligen Brustkrebs-Patientinnen der Tumor erneut auftreten wird, lässt sich womöglich vorhersagen. Der Schlüssel zur Prognose liegt in den Mammakarzinomen selbst.

Von Thomas Meißner

Wessen Brustkrebs zurückkehrt

Bei etwa jeder fünften geheilten Brustkrebs-Patientin kehrt die Erkrankung zurück.

© Springer Verlag GmbH

WIEN. Bei etwa jeder fünften Frau, deren Brustkrebs geheilt werden konnte, kehrt die Erkrankung in Form von Lokalrezidiven und / oder Metastasen zurück.

Eine Forschergruppe des Wellcome Trust Sanger Institute in Cambridge, England, hat nun die Gensequenzen von 1000 Mammakarzinomen untersucht.

Die Wissenschaftler haben insgesamt 365 Gene der Gewebsproben zur Zeit der Erstdiagnose mit dem Genprofil jener Proben verglichen, die beim Wiederauftreten entnommen worden waren.

Dabei zeigten sich genetische Unterschiede zwischen den primären und den wieder aufgetretenen Tumoren - die Krankheit verändert sich also.

Blick in die Zukunft

Das genetische Primärprofil erlaubt jedoch auch einen Blick in die Zukunft: "Wir haben zur Zeit der Primärdiagnose einige genetische Mutationen bei später rezidivierenden Tumoren gefunden, die bei jenen Tumoren, die nicht rezidivierten, kaum auftraten", erklärte Dr. Lucy Yates von der Forschungsgruppe beim europäischen Krebskongress ECC in Wien.

"Einige dieser genetischen Veränderungen sind potenzielle Angriffsziele für die Therapie", sagte Yates.

Damit könnten Patientinnen mit erhöhter Rezidivneigung von vornherein gezielt behandelt werden und anders als Patientinnen ohne erhöhte Rezidivneigung.

Dass diese Beurteilung alles andere als trivial ist, zeigt das Beispiel der Tumorsuppressorgene JAK2 und STAT3, die innerhalb des gleichen Signalwegs aktiv sind.

Bei manchen Erkrankungen ist das Unterbrechen dieses Signalweges für das Überleben von Krebszellen von Vorteil. Bei anderen Krebserkrankungen dagegen treibt die Überaktivität von JAK2 die Malignität des Tumors an.

Es sei bekannt, so Yates, dass ein verstärktes JAK-STAT-Signal wichtig sei für die Entwicklung von Brustkrebsstammzellen und das Überleben von Krebszelllinien.

Diese Gene zu hemmen scheint von Vorteil zu sein, geht aus präklinischen Befunden hervor. Deshalb besteht die Hoffnung, mit JAK-Inhibitoren die Krebsprogression zu verzögern.

Aber: "Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass bei einer Subgruppe von Mammakarzinomen die Hemmung dieses Signalwegs einen gegenteiligen Effekt haben kann", warnte Yates.

Dies müsse nun weiter untersucht werden. "Diese Beobachtung unterstreicht, wie wichtig es ist, die verschiedenartige Natur der Brustkrebserkrankungen in der Ära der Präzisionsmedizin zu verstehen."

Rezidiv ist eine neue Erkrankung

In einem Kommentar zu der Studie sagte einer der wissenschaftlichen Leiter des ECC 2015, Professor Peter Naredi aus Göteborg, Schweden, dass das Wiederauftreten von Krebserkrankungen als neue Erkrankung aufgefasst werden müsse.

Mit Hilfe der britischen Studie könnten nun bessere Therapieentscheidungen getroffen und Überbehandlungen vermieden werden, wenn aufgrund der über den Tumor gewonnenen Informationen kein Vorteil zu erwarten sei.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Stromstimulation hilft Gedächtnis auf die Sprünge

US-Forscher haben mit einer speziellen Wechselstromstimulation das Arbeitsgedächtnis von über 60-Jährigen auf das Niveau von 20-Jährigen gehoben – zumindest für kurze Zeit. mehr »

Aufklärung alleine verpufft

Nicht nur zu Ostern locken Schokolade und Co.: Laut DONALD-Studie liegt der Zuckerverzehr gerade bei Kindern und Jugendlichen noch immer über der WHO-Empfehlung. Forscher sehen hier die Politik in der Pflicht. mehr »

Länger geguckt, eher gekauft

Menschen treffen irrationale Kaufentscheidungen, so eine Studie: Allein eine lange Betrachtungsdauer lässt Personen eher zugreifen – selbst, wenn das Produkt schlecht ist. mehr »