Ärzte Zeitung online, 19.10.2015

Kommentar zu Brust- und Darmkrebs

Hartnäckigkeit zahlt sich aus

Von Peter Leiner

Es sieht für manche so aus, als habe er sich in eine Idee verbissen, die kaum zum Erfolg führen wird: Der Medizinnobelpreisträger von 2008 Professor Harald zur Hausen sucht weiter intensiv nach möglichen viralen Auslösern von Krebs, vor allem von Brust- und Darmkrebs.

Er hat ja bereits nachgewiesen, dass die Ursache der Karzinome des Gebärmutterhalses Papillomviren sind - und damit bestätigt, welchen wichtigen Anteil virale Erreger an der Krebsentstehung haben können.

Mehr als 20 Prozent aller Tumoren stehen direkt oder indirekt im Zusammenhang mit einem infektiösen Agens - warum nicht auch Brust- und Darmkrebs? Bei Mäusen ist ein durch die Milch übertragenes Virus als Risikofaktor für Brustkrebs bereits bekannt.

Noch gibt es bei den neuartigen Gensequenzen nur Assoziationen mit Krebserkrankungen, aber keinen Beleg für einen kausalen Zusammenhang. Dass der Arzt und Virologe nun tatsächlich Nukleinsäure-Sequenzen in Kuhmilch, Rinderseren und verschiedenen menschlichen Geweben entdeckt hat, die mit DNA-Viren nahe verwandt sind, ist also bisher nur die halbe Miete.

Zumindest als Risikofaktorkandidaten sollten diese Spuren aber betrachtet und weiter intensiv erforscht werden. Sich in etwas zu verbeißen, schließt einen Erfolg nicht aus.

Lesen Sie dazu auch:
Brust- und Darmkrebs: Erreger in Fleisch rücken ins Visier der Forschung

[19.10.2015, 07:57:49]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Drei Fragezeichen?
1. Welche Evidenz gibt es, dass etwa 20 Prozent aller Krebserkrankungen ausschließlich durch Viren oder andere Infektionserreger verursacht werden?
2. Wurden die entscheidenden Grundlagenforschungen, dass humane Papillomaviren (HPV) Ursache der Karzinome des Gebärmutterhalses sind, nicht eher von Prof. Eiko Petersen/Freiburg durchgeführt?
https://books.google.co.uk/books?id=1yKh_AT0UZwC&pg=SA7-PA64-IA3&lpg=SA7-PA64-IA3&dq=Prof.+Petersen+Freiburg+Papillomaviren&source
3. Sind die Krankheits-epidemiologischen Daten, insbesondere der Vergleich Indien-Deutschland, nicht allzu dürftig. Die EPIC-Studie liefert für Europa keine Hinweise.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund  zum Beitrag »

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