Ärzte Zeitung, 11.08.2017
 

Erblicher Brustkrebs

Welche Frauen sind gefährdet?

Für Frauen mit Brustkrebs-Genmutationen gibt es effektive Schutzmaßnahmen. Bereits das Vorliegen von zwei und mehr Brustkrebserkrankungen in der Familie kann ein Hinweis auf erbliche Belastung sein.

Von Ingrid Kreutz

Welche Frauen sind gefährdet?

Für Frauen mit hohem Brustkrebs-Risiko steht ein intensiviertes Früherkennungsprogramm zur Verfügung.

© Springer Medizin Verlag GmbH

MÜNCHEN. Jährlich erkranken in Deutschland etwa 60.000 Frauen an Brustkrebs. Bei 20 bis 30 Prozent von ihnen findet sich eine familiäre Häufung. Hierbei kann nach der aktuellen Datenlage ein monogener oder polygener Erbgang zugrunde liegen, erklären Professor Marion Kiechle und Dr. Sabine Grill von der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde der TU München (DZKF 2017; 2: 36-41).

Ein monogener Erbgang liegt bei 5-10 Prozent der Brustkrebserkrankungen zugrunde, etwa 30 Prozent davon werden den Krebssuszeptibilitätsgenen BRCA1 und BRCA 2 zugeschrieben. Aufgrund von Mutationsanalysen wächst vor allem das Verständnis für oligo- und polygene Vererbung. Es zeigte sich eine Vielzahl an Risiko- und Niedrigrisikogenen, die in Kombination zur Prädisposition für Brustkrebs führen können.

Bei Vorliegen einer pathogenen BRCA-1- oder BRCA-2-Mutation wird vor Vollendung des 70. Lebensjahres ein lebenslanges Erkrankungsrisiko von 60 Prozent beziehungsweise 55 Prozent für Brustkrebs angenommen, schreiben die Münchner Gynäkologinnen. Für ein Ovarial-Ca gilt ein Risiko von 59 beziehungsweise 16,5 Prozent.

Aufgrund dieses hohen Erkrankungsrisikos steht für betroffene Frauen ein intensiviertes Früherkennungsprogramm zur Verfügung. So werden Mutationsträgerinnen einer Hochrisiko-Genmutation ab dem 25. Lebensjahr mit halbjährlicher gynäkologischer Tastuntersuchung sowie halbjährlichem Mamma-Ultraschall, jährlichen Mamma-MRT-Untersuchungen sowie etwa ab dem 40. Lebensjahr jährlicher Mammografieengmaschig überwacht. Außerdem besteht die Option der prophylaktischen beidseitigen Mastektomie (PBM) und Salpingo-Oophorektomie. Die PBM führt bei noch nicht erkrankten Anlageträgerinnen zur Risikoreduktion von über 95 Prozent.

Frauen, bei denen es Hinweise auf eine erbliche Belastung für Brust- oder Ovarial-Ca gibt, sollten daher in ein Konsortiumszentrum für familiären Brust- und Eierstockkrebs zur genetischen Beratung überwiesen werden, empfehlen Kiechle und Grill.

Beratungsanlässe

Eine mögliche erbliche Belastung für Brust- und/oder Ovarial-Ca besteht in Familien mit:

» mindestens drei Frauen mit Brustkrebs, unabhängig vom Alter

» mindestens zwei Frauen mit Brustkrebs, davon eine Erkrankung bereits vor dem 51. Lebensjahr

» mindestens eine Frau mit Brustkrebs und eine Frau mit Ovarial-Ca

» mindestens zwei Frauen mit Ovarial-Ca

» mindestens eine Frau mit Ovarial-Ca und ein Mann mit Brustkrebs

» mindestens eine Frau mit Brustkrebs vor dem 36. Geburtstag

» mindestens eine Frau mit beidseitigem Brustkrebs, wobei die Ersterkrankung vor dem 51. Geburtstag war

» mindestens eine Frau mit Brust- und Eierstockkrebs

» Frauen mit einem tripelnegativen Mammakarzinom unter 60 Jahren

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