Ärzte Zeitung online, 21.03.2017
 

Blinddarm

Sonografie gut im Ausschluss eines perforierten Appendix

Eine Sonografie ist zwar hochspezifisch beim Nachweis einer perforierten Appendix bei Kindern mit Blinddarmentzündung, aber nicht ausreichend sensitiv.

Von Peter Leiner

Was bringt Sonografie bei Verdacht auf Appendizitis?

In einer Studie wurde der Aussagewert einer Ultraschalluntersuchung bei Kindern mit Blinddarmbeschwerden untersucht. © kreativwerden / Fotolia

HOUSTON. Bisherige Studien zur Sonografie bei Verdacht auf eine Appendizitis bei Kindern waren nur retrospektiv und klein. Deshalb haben Radiologen und Chirurgen um Dr. Jennifer L. Carpenter vom Texas Children's Hospital im U.S.-Bundesstaat Houston eine prospektive Kohortenstudie gemacht, in die alle an der Klinik sonografisch untersuchten Verdachtsfälle zwischen Mitte 2013 und Mitte 2014 einbezogen wurden (Radiology 2017; 282: 835–41).

Die Ärzte verwendeten einen Risikoscore, in dem ein Wert von 1 für eine normale Appendix steht, 5a für eine Appendizitis, die nicht zu einer Perforation geführt hat, und 5b für einen perforierten Wurmfortsatz. Insgesamt 577 Kinder entsprachen den Einschlusskriterien. Eine Appendizitis wurde bei 573 der 577 Kinder (99,3 Prozent) sonografisch korrekt identifiziert. Wie die Ärzte berichten, war bei 468 Kindern dem Ergebnis der Ultraschalluntersuchung zufolge die entzündete Appendix nicht perforiert, bei 109 dagegen perforiert.

Die chirurgische Diagnose als Referenz ergab ein anderes Bild. Carpenter und ihre Kollegen entdeckten bei 182 Kindern einen perforierten Blinddarm (32,5 Prozent), bei 395 Kindern (68,5 Prozent) war die Appendix nicht perforiert. Falsch positiv war das Ergebnis der sonografischen Untersuchung bei vier von 577 Kindern (0,7 Prozent). Die Falsch-positiv-Rate beim Nachweis einer nicht perforierten Appendix betrug 0,4 Prozent (zwei von 468 Kindern) und 1,8 Prozent (zwei von 109 Kindern) beim Nachweis eines perforierten Blinddarms.

Aus den Daten geht hervor, dass die Sensitivität der Sonografie bei Nachweis einer Perforation in dieser Studie bei 44 Prozent liegt (richtig positiv bei 80 von 182 Patienten), die Spezifität bei 93,1 Prozent (richtig negativ bei 364 von 391 Patienten). Damit ergibt sich ein positiver prädiktiver Wert von 74,8 Prozent und ein negativer prädiktiver Wert von 78,1 Prozent, wie die Ärzte berichten.

Schließlich wurden in der Studie mehrere Faktoren ermittelt, die signifikant mit einer Appendixperforation assoziiert waren. So war das Risiko dafür verdoppelt, wenn sonografisch eine periappendikale Flüssigkeitsansammlung (simple) nachweisbar war (Odds Ratio [OR]: 2,08). Mit einem deutlich höheren Risiko war der Nachweis einer detritusenthaltenden Flüssigkeit um die Appendix (complex) assoziiert (OR: 18,5).

Als weitere Risikofaktoren ermittelten die Ärzte die verlängerte Symptomdauer (OR: 1,46), die Zunahme des maximalen Appendixdurchmessers (OR: 1,29), ein flüssigkeitsgefülltes Lumen (OR: 0,34) sowie einen Appendikolithen (OR: 1,67). Auf diese Faktoren solle besonders geachtet werden, wenn eine nicht chirurgische Intervention in Betracht gezogen werde, so Carpenter und ihre Kollegen.

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