Ärzte Zeitung, 23.09.2005
 

Remissionserhalt bei Colitis und Crohn

Mesalazin zum Remissionserhalt bei Colitis ulcerosa unverzichtbar / Bei Crohn eher Azathioprin oder 6-Mercaptopurin

Neue Krankheitsschübe zu verhindern ist bei Patienten mit Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn ebenso wichtig wie die effektive Therapie bei einem solchen Schub.

PD Dr. Hans Herfarth betreut in der Uni Regensburg Colitis- und Crohn-Patienten. Foto: privat

Präparate mit dem Wirkstoff Mesalazin (5-ASA) sind zum Erhalt von Remissionen bei Colitis ulcerosa unverzichtbar. Mit täglich 1,5 Gramm 5-ASA oral kann die Rezidivrate um etwa 50 Prozent gesenkt werden.

Verfügbar sind Präparate, die direkt 5-ASA freisetzen (Asacolitin®, Claversal®, Pentasa®, Salofalk®), oder die 5-ASA-Konjugate enthalten, aus denen 5-ASA abgespalten wird (Dipentum®, Azulfidine®, Colo-Pleon®).

Eine Alternative zu Tabletten sind Präparate, die 5-ASA in Pellet-Galenik enthalten, also in winzigen Kügelchen. Durch die spezielle Zubereitung wird die Einnahme-Frequenz reduziert, und viele Patienten können die kleinen Kügelchen auch besser schlucken als Tabletten.

Ob Patienten besser mit Pellets, die unabhängig vom Essen eingenommen werden können, oder eben mit Tabletten besser zurechtkämen, müsse individuell ausprobiert werden, so Privatdozent Dr. Hans Herfarth von der Universitätsklinik Regensburg zur "Ärzte Zeitung".

Bei rein distaler Erkrankung ist auch eine rektale Therapie möglich. Ist die orale oder rektale Therapie zum Remissionserhalt unzureichend, kann eine oral-rektale Kombitherapie Erfolg bringen.

Die Remissions-erhaltende Therapie bei Colitis ulcerosa sollte mindestens zwei Jahre dauern, so Herfarth. Der Nutzen einer länger als zwei Jahre dauernden Therapie sei aber nicht belegt.

Daß Herfarth manche Patienten dann aber doch länger als die empfohlenen zwei Jahre mit 5-ASA behandelt, begründet er damit, daß 5-ASA, über Jahre in einer Dosierung von täglich mehr als 1,5 g eingenommen, wohl auch Karzinomen vorbeugen kann. Hinweise dafür hätten retrospektive Studien gebracht.

Bedeutung hat das für den Regensburger Gastroenterologen etwa bei der Betreuung von Patienten mit einer Pancolitis ulcerosa. Bekannt ist nämlich, daß bei Betroffenen mit einer solchen Pancolitis nach acht bis zehn Jahren Krankheitsdauer das Risiko für kolorektale Karzinome erhöht ist. "Bei ihnen würden wir dann eher über die empfohlenen zwei Jahre hinaus prophylaktisch mit 5-ASA behandeln", sagt Herfarth.

Eine weitere Möglichkeit zum Remissionserhalt ist die orale Therapie mit apathogenen E. coli Nissle (Mutaflor®).

Bei Crohn gibt‘s noch keine Standard-Remissionstherapie

Bei Morbus Crohn ist die Datenlage zur Remissions-erhaltenden Therapie weniger klar als bei Colitis ulcerosa. "Im Augenblick gibt es für diese Patienten keine richtigen Remissions-erhaltenden Therapien", faßt so auch Herfarth den Status quo zusammen. Von 5-ASA können operierte Patienten profitieren. "Postoperativ hilft Mesalazin jedem siebten bis zehnten Crohn-Patienten, bei medikamentös induzierter Remission nur jedem zwanzigsten", so Herfarth.

Am besten wirksam zum Remissionserhalt bei M. Crohn sind Azathioprin oder 6-Mercaptopurin, ist durch mehrere Studien gesichert - vor allem bei Patienten, die bei chronisch-aktiver, steroidabhängiger Erkrankung erst durch die Anwendung dieser Substanzen symptomfrei wurden. Die Therapie muß wohl mindestens vier bis fünf Jahre dauern. (mal)

Die mit je vier Punkten zertifizierten Arzt-Patienten-Seminare finden am 24. September statt im Klinikum Bremen-Mitte, Hörsaal 4. Etage, 9.30 bis 13.00 Uhr sowie in der Stadthalle Memmingen, Kleiner Saal, 9.00 bis 13.00 Uhr.

Lesen Sie dazu auch:
Immunsuppression bei vielen schweren Schüben
Wurmeier und Harz-Extrakt bereichern Therapie
Minikügelchen machen das Schlucken leicht
Register zu Daten von Kindern mit Crohn / Colitis
Crohn-Colitis-Tag ist eine Initiative der DCCV

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Wie Grippeviren ihr Erbgut steuern

Forscher haben nachgewiesen, wie Gene von Influenza-A-Viren an- und abgeschaltet werden. Die Erkenntnisse sollen die Entwicklung neuer Therapien vorantreiben. mehr »

Mehr Transparenz soll die Wogen der SPRINT-Studie glätten

Der Streit um die SPRINT-Studie hält an. Im Fokus steht die genutzte Methode der Praxisblutdruckmessung, um die sich Gerüchte rankten. Jetzt hat die SPRINT-Gruppe für mehr Transparenz gesorgt. mehr »

Vorsorge für den Brexit – Ansturm auf das Aufenthalts-Zertifikat

Viele Gesundheitsfachkräfte aus EU-Ländern haben Großbritannien schon verlassen. Diejenigen, die bleiben wollen, versuchen nun, das "Settled-Status"-Zertifikat zu erlangen. mehr »