Ärzte Zeitung, 02.05.2011

Kommentar

Ärzte gesucht für Zappelphilippe

Von Wolfgang Geissel

Viele verhaltensauffällige Kinder werden gar nicht als ADHS-krank erkannt. Andererseits gibt es häufig Falsch-Positiv-Diagnosen, obwohl ganz andere Ursachen vorliegen. Kinder mit psychiatrischen Störungen sind in Deutschland sehr schlecht versorgt, und zwar vor allem, weil spezialisierte Fachärzte fehlen.

Die Situation ist für viele Betroffene und ihre Familien fatal. Weil verhaltensauffällige Kinder häufig im Unterricht stören, werden sie in manchen Bundesländern schnell aus einer Regelschule aussortiert und landen manchmal schon nach wenigen Monaten auf einer Förderschule.

Eine sorgfältige kinderpsychiatrische Untersuchung ist nötig, um bei Symptomen wie motorischer Unruhe, Unaufmerksamkeit und Impulsivität die richtige Diagnose zu stellen. Eine mögliche medikamentöse Therapie muss zudem in ein umfassendes Behandlungskonzept eingebettet werden. Nur so lässt sich der Verdacht vermeiden, unruhige Kinder mit Tabletten einfach ruhigstellen zu wollen.

Ärzte, die sich zu ADHS weiterbilden, werden daher dringend gebraucht. Diagnostik und Therapie-Einstellung sollten zwar Spezialisten vorbehalten bleiben. Hausärzte können aber etwa betroffene Jugendliche zusammen mit Fachärzten mitbetreuen.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
Reizbar, impulsiv, unruhig: ADHS oder bipolare Störung?

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Künstliches Pankreas punktet im Alltag

Ein „closed loop“ aus sensorgestützter Glukosemessung und Insulinpumpe kann die Stoffwechseleinstellung bei Diabetes deutlich verbessern, zeigt eine US-Studie auf. mehr »

Kontroverse um Spahns Gesetz für besseren Masernschutz

Der Bundestag hat in erster Lesung das geplante Masernschutzgesetz debattiert. Die Opposition kritisiert, das Gesetz atme zu viel Zwang und Sanktion. mehr »

Tuberkulose bleibt die infektiöse Todesursache Nummer 1

Inzidenz und Mortalität der Tuberkulose gehen einem WHO-Report zufolge weltweit zurück. Die für 2020 angestrebten Ziele sind trotzdem außer Reichweite. mehr »