Ärzte Zeitung online, 24.02.2019

MS-Therapie

Das Zeitfenster nutzen!

Kommentar von Thomas Müller

thomas.mueller

Schreiben Sie dem Autor thomas.mueller@springer.com

In der MS-Therapie bleibt derzeit kaum ein Stein auf dem anderen, allerdings wird es wohl dauern, bis sich die neuesten Erkenntnisse im Praxisalltag durchsetzen. So deuten immer mehr Studien auf ein „window of opportunity“, in dem eine MS-Therapie besonders wirksam sein muss, um die Progression der Erkrankung zu verzögern oder gar zu stoppen.

Ist dieses Zeitfenster geschlossen, sind Immuntherapeutika nur noch begrenzt effektiv. Das Fenster schließt sich, wenn MS-Kranke ein gewisses Maß an Behinderungen akkumuliert haben.

Genau dies gilt es also unbedingt zu vermeiden. Experten streiten noch darüber, welcher Weg der beste ist: die MS-Aktivität mit stark wirksamen Therapeutika komplett herunterzufahren oder bei weniger aggressivem Verlauf zunächst eine verträglichere Arznei zu versuchen und bei Bedarf zu eskalieren. Für beide Strategien gibt es gute Argumente.

Eine Studie hat aber ergeben, dass es mit der Eskalation in der Praxis nicht gut klappt: Ärzte zögern viel zu lange, bis sie wirksamere Medikamente einsetzen. Das Zeitfenster ist dann oft geschlossen.

Hier muss rasch ein Umdenken beginnen: Bei den geringsten Hinweisen auf eine erneute MS-Aktivität sollten Ärzte die Therapie überprüfen. Denn für therapeutische Trägheit ist bei MS kein Platz.

Lesen Sie dazu auch:
Besser als eine abgestufte Therapie: MS – „Hit hard and early “

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