Ärzte Zeitung, 30.07.2004

Cannabis-Konsumenten werden immer jünger

Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen fordert für Präventionskampagne fünf Millionen Euro von Bund und Ländern

BERLIN (af). Das durchschnittliche Einstiegsalter von Cannabis-Konsumenten ist zwischen 1993 und 2001 von 17,5 auf 16,5 Jahre gesunken, das berichtete die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) in Berlin bei der Vorstellung eines neuen Sucht-Reports zum Haschisch-Konsum.

Bereits Zwölfjährige rauchten heute regelmäßig einen Joint. Es seien derzeit schätzungsweise 15 000 Kinder und Jugendliche zwischen zwölf und 25 Jahren, die sich in den 1000 ambulanten Drogenberatungsstellen der DHS zum Thema Cannabiskonsum beraten lassen. Das sei etwa ein Prozent dieser Altersgruppe.

Von Bund und Ländern forderte der DHS fünf Millionen Euro für eine Präventionskampagne und für zielgruppengerechte Hilfen. In Deutschland sind mehr als 50 000 Menschen von dem Rauschmittel abhängig. Wegen des gesunkenen Einstiegsalters solle das Geld vor allem in Präventionsprogramme für Jugendliche fließen. "Das erfordert ernsthafte nationale Anstrengungen in der Gesundheitspolitik", so DHS-Geschäftsführer Rolf Hüllinghorst.

"Cannabis ist keine Droge der Kindertagesstätten und Grundschulen" sagte Jost Leune. Er ist beim DHS zuständig für illegale Drogen. Richtig sei jedoch, daß Alkohol und Nikotin im Durchschnitt mit 13 beziehungsweise 14 Jahren zum ersten Mal konsumiert werden. Zigaretten gelten als Einstiegsdroge für den Cannabis-Konsum. Die Vertreter der DHS fordern deshalb auch ein generelles Rauchverbot an Schulen.

Der Gehalt an Tetrahydrocannabinol (THC) im Haschisch sei seit den 60er Jahren nicht dramatisch gestiegen, heißt es in dem Sucht-Report der DHS. Nach Angaben des Bundeskriminalamtes macht Haschisch mit einem Gehalt von über 18 Prozent THC etwa ein Prozent des sichergestellten Stoffs aus.

Leune forderte außerdem dazu auf, die mit Cannabis erwischten Jugendlichen nicht länger zu kriminalisieren. "Die juristischen Folgen überwiegen die gesundheitlichen Folgen bei weitem". Im Jahr 2003 waren mehr als 100 000 Jugendliche wegen Cannabis-Konsums angezeigt worden.

STICHWORT

Cannabis-Konsum

In Deutschland haben in den vergangenen zwölf Monaten schätzungsweise 22 Prozent der 15jährigen Jungen und 15 Prozent der Mädchen mindestens einmal Cannabis geraucht, so das Ergebnis einer WHO-Studie. Zum Vergleich: In der Schweiz haben 40 Prozent der 15jährigen schon einmal Cannabis geraucht, in der Tschechei 30 Prozent. Nahezu clean blieben die schwedischen Kids, bei denen 4,5 Prozent der Jungen und Mädchen schwach wurden. Ein Zusammenhang zwischen Drogenkonsum und Rechtssystem wurde nicht festgestellt. Die liberalen Niederlande liegen zwölf Prozentpunkte hinter den USA (36,5 Prozent). (af)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »

Rettungsgasse blockieren kostet 320 Euro

Länderkammer verschärft die Bußgeldhöhe, wenn Rettungsgassen nicht beachtet werden. mehr »

Palliativmedizin erfordert Zusatzqualifikation

Die Debatte um die Verpflichtung von Hausärzten zur Zusatzausbildung in Palliativmedizin schlägt hohe Wellen. In der KBV-Vertreterversammlung am Freitag wurde KBV-Vize Hofmeister nun grundsätzlich. mehr »