Ärzte Zeitung, 11.12.2008
 

Minimal-invasive Hüft-Op schont Muskeln

Zum Einsetzen einer Hüftendoprothese beginnt sich seit kurzem eine schonende minimal-invasive Methode zu etablieren. Dabei bleiben wichtige Muskeln, Sehnen und Nerven unverletzt.

MicroHip mit Navigation erlaubt es, das Implantat gut zu positionieren.

Fotos: Prof. Joachim Grifka, Uni Regensburg

Von Nicola Siegmund-Schultze

KÖLN. Jährlich benötigen etwa 180 000 Patienten in Deutschland Hüftendoprothesen als primären Gelenkersatz. "In fünf Jahren könnte ein als MicroHip bekannt gewordenes Verfahren Standard an deutschen Kliniken sein", sagte Professor Joachim Grifka, Direktor der Orthopädischen Klinik der Universität Regensburg.

Bei konventionellen Methoden sind Schnitte von 12 bis 15 Zentimetern üblich. Wird ein hinterer Zugang zum Hüftgelenk gewählt, müssen der Musculus glutaeus maximus und ein Teil der für die motorische Feinsteuerung der Gelenkbewegung wichtigen kleinen Drehmuskeln gelöst werden.

Dadurch jedoch geht Kraft für die Außendrehung verloren, erläuterte Grifka, der auch Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) ist.

Bei den seitlichen Zugängen wiederum muss ein Teil der beckenstabilisierenden Abduktoren abgelöst werden. Das aber geht einher mit dem Risiko eines für den Patienten schmerzhaften Kraftverlusts in diesen Muskeln.

Im Op-Feld ist der Gelenkkopf sichtbar.

Fotos: Prof. Joachim Grifka, Uni Regensburg

Bei der minimal-invasiven Methode erfolgt der Zugang zum Femur mit einem Schnitt von sechs bis sieben Zentimetern Länge von anterior. Die Inzision beginnt auf mittlerer Höhe des Trochanter major und zieht in Richtung Spina iliaca anterior superior. Muskulatur, Sehnen und Nerven werden bei der Technik geschont, wodurch die Patienten schneller mobil sind.

So konnte zum Beispiel ein 93-jähriger Mann mit Schenkelhalsfraktur, dem mit dem minimal-invasiven Verfahren ein neues Hüftgelenk eingesetzt wurde, drei Tage nach der Operation bereits mit einem Rollator gestützt gehen, berichtete Grifka bei einer Konferenz der DGOOC und der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) in Köln. Bei unkompliziertem, postoperativem Verlauf ist es möglich, dass Patienten nach etwa sieben Tagen von der Klinik in die Reha wechseln.

Das Verfahren eigne sich bei entsprechender Erfahrung der Operateure für einen großen Teil der Patienten. Bislang allerdings werde es erst in einigen wenigen deutschen Kliniken angewandt, sagte Grifka. Zu den wichtigsten Kontraindikationen gehöre die Adipositas.

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