Minimal-invasive Hüft-Op schont Muskeln

Zum Einsetzen einer Hüftendoprothese beginnt sich seit kurzem eine schonende minimal-invasive Methode zu etablieren. Dabei bleiben wichtige Muskeln, Sehnen und Nerven unverletzt.

Veröffentlicht:
MicroHip mit Navigation erlaubt es, das Implantat gut zu positionieren.

MicroHip mit Navigation erlaubt es, das Implantat gut zu positionieren.

© Fotos: Prof. Joachim Grifka, Uni Regensburg

Von Nicola Siegmund-Schultze

KÖLN. Jährlich benötigen etwa 180 000 Patienten in Deutschland Hüftendoprothesen als primären Gelenkersatz. "In fünf Jahren könnte ein als MicroHip bekannt gewordenes Verfahren Standard an deutschen Kliniken sein", sagte Professor Joachim Grifka, Direktor der Orthopädischen Klinik der Universität Regensburg.

Bei konventionellen Methoden sind Schnitte von 12 bis 15 Zentimetern üblich. Wird ein hinterer Zugang zum Hüftgelenk gewählt, müssen der Musculus glutaeus maximus und ein Teil der für die motorische Feinsteuerung der Gelenkbewegung wichtigen kleinen Drehmuskeln gelöst werden.

Dadurch jedoch geht Kraft für die Außendrehung verloren, erläuterte Grifka, der auch Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) ist.

Bei den seitlichen Zugängen wiederum muss ein Teil der beckenstabilisierenden Abduktoren abgelöst werden. Das aber geht einher mit dem Risiko eines für den Patienten schmerzhaften Kraftverlusts in diesen Muskeln.

Im Op-Feld ist der Gelenkkopf sichtbar.

Im Op-Feld ist der Gelenkkopf sichtbar.

© Fotos: Prof. Joachim Grifka, Uni Regensburg

Bei der minimal-invasiven Methode erfolgt der Zugang zum Femur mit einem Schnitt von sechs bis sieben Zentimetern Länge von anterior. Die Inzision beginnt auf mittlerer Höhe des Trochanter major und zieht in Richtung Spina iliaca anterior superior. Muskulatur, Sehnen und Nerven werden bei der Technik geschont, wodurch die Patienten schneller mobil sind.

So konnte zum Beispiel ein 93-jähriger Mann mit Schenkelhalsfraktur, dem mit dem minimal-invasiven Verfahren ein neues Hüftgelenk eingesetzt wurde, drei Tage nach der Operation bereits mit einem Rollator gestützt gehen, berichtete Grifka bei einer Konferenz der DGOOC und der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) in Köln. Bei unkompliziertem, postoperativem Verlauf ist es möglich, dass Patienten nach etwa sieben Tagen von der Klinik in die Reha wechseln.

Das Verfahren eigne sich bei entsprechender Erfahrung der Operateure für einen großen Teil der Patienten. Bislang allerdings werde es erst in einigen wenigen deutschen Kliniken angewandt, sagte Grifka. Zu den wichtigsten Kontraindikationen gehöre die Adipositas.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: AIO-KRK-0424/ass-Registerstudie: Leitlinienadhärenz

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5]

BRAFV600E-mutiertes mCRC nach systemischer Vortherapie

Registerstudie weist auf Defizite in der Umsetzung der Leitlinienempfehlungen hin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pierre Fabre Pharma GmbH, Freiburg
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Tab. 1: Verbesserung wichtiger Endpunkte nach 24-wöchiger randomisierter Behandlung mit Vimseltinib vs. Placebo (MOTION-Studie)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1]

Tenosynoviale Riesenzelltumoren

Erste zugelassene systemische Therapie zeigt überzeugende Langzeiteffekte

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Deciphera Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Vergleich der Leitlinien

Restless Legs Syndrom: Gabapentinoide oder Dopamin-Agonisten zuerst?

Lesetipps
Eine ältere Frau inhaliert ein Medikament aus einem Pulverinhalator.

© thodonal / stock.adobe.com

Asthma, COPD und Co.

Acht Fehler bei der Inhalationstherapie – und wie es richtig geht

Ein Kardiologe verwendet einen Schlauch für die Radiofrequenzkatheterablation eines Patienten mit Vorhofflimmern.

© romaset / stock.adobe.com

Nach Katheterablation

Kontrolle von Risikofaktoren schützt vor Vorhofflimmern-Rezidiven