Ärzte Zeitung, 20.01.2010

Kommentar

Wir stochern halt gern im Dunkeln

Von Michael Hubert

Datenerhebung - da bekommen wir Deutschen schnell ein mulmiges Gefühl, wittern Missbrauch. Wir stochern lieber im Dunkeln, auch in der Medizin: Fehlanzeige bei nationalem Krebs- oder Endoprothesenregister, wir wissen noch nicht einmal, wie viele Menschen gegen H1N1 geimpft sind.

Dabei hilft ein nationales Endoprothesenregister, die Qualität zu verbessern - bei den Prothesen, den Op-Verfahren und bei der Entscheidung, welche Patienten wovon am meisten profitieren. Die Zeit bis zur Revision könnte verlängert, Patienten eine unnötige Op erspart werden. Und das beste: Sogar die Kosten können gesenkt werden. Experten errechnen einen zweistelligen Millionenbetrag.

Außer dem allgegenwärtigen deutschen Unbehagen gegen das Sammeln von Daten scheint nichts gegen ein nationales Endoprothesenregister zu sprechen. Und: Alle Player seien im Boot, betonen Orthopäden und Unfallchirurgen. Nur ans Rudern scheint keiner zu denken. Nun soll es der Gesundheitsminister richten.

Nicht ganz: Die Fachgesellschaften wollen nicht länger warten, haben begonnen zu rudern. Mit einigen Krankenkassen soll ein Pilotprojekt für ein Register starten. Das ist erfreulich. Und es bringt hoffentlich den Stein fürs nationale Register ins Rollen.

Lesen Sie dazu auch:
Nationale Qualitätsoffensive in der Endoprothetik

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
Viele gute Gründe sprechen für ein nationales Endoprothesenregister

 


Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Frauen leben länger, Männer glücklicher

Frauen haben in allen europäischen Ländern eine deutlich höhere Lebenserwartung als Männer, die zusätzlichen Jahre bescheren ihnen jedoch selten Freude. mehr »

So gefährlich sind Krampfadern

Krampfadern sollten nicht nur als kosmetisches Problem angesehen werden. Auch wenn die Varizen keine Beschwerden verursachen, bergen sie gesundheitliche Gefahren. mehr »

Die Macht der Position

Sexismus im medizinischen Alltag: Bloggerin Dr. Jessica Eismann-Schweimler bricht hier eine Lanze für die Männer. Diskriminierung kennt sie - geschlechtsunabhängig - eher durch einen anderen Faktor. mehr »