Ärzte Zeitung, 08.01.2007

Erste Fraktur ist eine Indikation für die Osteoporose-Therapie

Bisphosphonat verhindert jeden zweiten Bruch

HAMBURG (nke). "Nur zehn Prozent der Patienten mit manifester Osteoporose werden einigermaßen nach den Leitlinien therapiert", beklagt Professor Reiner Bartl vom Universitätsklinikum München-Großhadern. Der Kollege rät: "Wenn es einmal zu knacken anfängt, muß man unbedingt etwas machen. Denn: Die nächste Fraktur kommt bestimmt."

Spätestens nach der ersten osteoporotischen Fraktur sollte die Behandlung anfangen, da das Risiko für weitere Brüche bei solchen Patienten hoch ist. Mit einer spezifischen medikamentösen Therapie, etwa mit einem Bisphosphonat, ließen sich etwa 50 Prozent der Frakturen vermeiden, so Bartl bei einer gemeinsamen Veranstaltung der Unternehmen GlaxoSmithKline und Roche Pharma in Hamburg.

Es könnten sogar noch mehr Knochenbrüche verhindert werden, wenn die Patienten auch auf einen gesunden Lebensstil achteten, betonte der Osteologe. Wichtig seien zum Beispiel viel körperliche Aktivität, eine ausreichende Versorgung mit Kalzium und Vitamin D, Maßnahmen zur Sturzprophylaxe und der Verzicht auf Rauchen.

"Bisphosphonate bremsen den Knochenabbau und eignen sich daher gut zur Osteoporose-Therapie - in der täglichen, wöchentlichen oder monatlichen Einnahmeform oder als Quartalsspritze", sagte Bartl. Seit etwa einem Jahr steht zur Frakturprophylaxe bei Frauen in der Postmenopause Ibandronat (Bonviva®) zur einmal monatlichen oralen Einnahme zur Verfügung. In ein- bis dreijährigen Studien wurde die Monatstablette mit 150 mg Ibandronat bei mehr als 9000 Frauen untersucht. Das Mittel erhöht die Knochendichte und hemmt den Knochenabbau mindestens so gut wie die einmal tägliche Anwendung des Bisphosponates, wie Professor E. Michael Lewiecki von der Universität New Mexico in Albuquerque in den Vereinigten Staaten berichtet hat.

Das Risiko für Wirbelfrakturen ist mit Ibandronat um 50 bis 62 Prozent im Vergleich zu Placebo vermindert, wie eine weitere Studie ergeben hat. Überprüft wurde bei Frauen in der Postmenopause, ob eine tägliche Ibandronat-Therapie (2,5 mg oral) ebenso wirksam ist wie eine intermittierende Therapie (20 mg Ibandronat jeden zweiten Tag an zwölf Tagen zu Beginn jedes Quartals).

In beiden Verum-Gruppen war die Dreijahres-Inzidenz lumbaler Wirbelfrakturen deutlich niedriger als in der Kontrollgruppe: 4,7 Prozent der Patienten mit täglicher und 4,9 Prozent der Patienten mit intermittierender Ibandronat-Therapie erlitten Wirbelbrüche, hingegen 9,6 Prozent der Patienten, die ein Placebo erhalten hatten.

Weitere Informationen zu Osteoporose gibt es unter www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/034-003k.htm

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Nicht immer geht's sofort zum Arzt

20- bis 50-jährige Patienten in Deutschland sind offenbar leidensfähig. Denn sie verschieben den Arztbesuch oft um Wochen oder Jahre, obwohl sie Beschwerden haben. mehr »

Extra-Vergütung für offene Sprechstunden

15:57 Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will Ärzte für offene Sprechstunden besser bezahlen. Die zusätzliche Vergütung soll es auch dann geben, wenn Ärzte Termine über die Terminservicestellen annähmen. mehr »

Bei Meniskusriss nicht vorschnell operieren

Ärzte sollten bei Meniskusrissen nicht gleich eine arthroskopische Operation einleiten. Oft kommen Betroffene auch mit Gymnastik und Physiotherapie zum Ziel. mehr »