Ärzte Zeitung, 20.10.2010

Auf jede fünfte Fraktur folgt ohne Arznei rasch die nächste

Welt-Osteoporose-Tag 2010

Welt-Osteoporose-Tag: Ohne Arzneien viele Folgebrüche

Anhaltender akuter, lokaler Rückenschmerz ist verdächtig für Osteoporose

NEU-ISENBURG (ikr). "Übersehe nicht die Zeichen einer Wirbelfraktur" lautet das Motto des heutigen Welt-Osteoporose-Tages. Ein wichtiger Appell, denn unbehandelt erleidet eine von fünf Frauen mit einer Wirbelkörperfraktur innerhalb von zwölf Monaten die nächste.

Auf jede fünfte Fraktur folgt ohne Arznei rasch die nächste

Typisch für Osteoporose: Tannenbaumphänomen infolge von Wirbelkörperfrakturen.

© Klaus Peters

Wirbelkörperfrakturen sind neben Hüftfrakturen eine häufige Folge von Osteoporose. Nach dem Ergebnis einer Hochrechnung traten im Jahre 2003 rund 41 000 Wirbelbrüche bei Osteoporose-Patienten auf.

"Osteoporose-bedingte Wirbelkörperbrüche sind nicht nur häufig mit starken Schmerzen verbunden, sondern sie schränken auch viele der Betroffenen in ihrer Lebensqualität erheblich ein bis hin zur Pflegebedürftigkeit", sagte Dr. Jutta Semler, Vorsitzende vom Kuratorium Knochengesundheit zur "Ärzte Zeitung". Ein Problem ist, dass Wirbelfrakturen im Praxisalltag häufig übersehen werden. Ein wesentlicher Grund dafür ist nach Angaben von Semler, dass bei Patienten, die nach einem Niedrig-Energie-Trauma über Rückenschmerzen klagen, oft nicht an eine Osteoporose gedacht wird. Und nicht selten wird eine solche Fraktur bei der ersten Röntgenaufnahme direkt nach dem Trauma übersehen, da der Wirbelkörper aufgrund von Flüssigkeitsansammlung noch nicht so stark zusammengesackt ist. Daher empfiehlt die Expertin aus Berlin: "Wenn ein Patient nach einem Trauma anhaltende, lokale Schmerzen hat, sollte man zumindest nach 14 Tagen ein zweites Mal röntgen, ob nicht doch eine Fraktur vorhanden ist."

Wirbelkörper können auch spontan brechen. Daher sollte auch bei akuten, lokalen, ungeklärten Rückenschmerzen, die mindestens sechs Wochen dauern, an Osteoporose gedacht werden, rät Semler. Bei den Patienten sollte geklärt werden, ob Risikofaktoren für Osteoporose vorliegen. Zur Prophylaxe von Wirbelfrakturen gibt es effektive Maßnahmen: Sport, gesunde Ernährung und Medikation.

Lesen Sie dazu auch:
Zweites Röntgenbild entlarvt den Wirbelbruch
Nur für Fachkreise: Frakturprophylaxe: oral, subkutan oder intravenös
Test hilft, Risiko für Osteoporose einzuschätzen

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Würden Ärzte Gröhe wählen?

In einer großen Umfrage fragten wir Ärzte: "Wenn der Bundesgesundheitsminister direkt vom Volk gewählt werden könnte, wen würden Sie wählen?" Lesen Sie hier die Antwort. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »