Ärzte Zeitung, 17.12.2004

KOMMENTAR

Biowaffen-Abwehr mit der Brechstange

Von Wolfgang Geissel

Der Schutz der Bevölkerung gegen mögliche Biowaffen-Anschläge ist der US-Regierung viel wert: Fast sechs Milliarden US-Dollar will sie in den nächsten zehn Jahren dafür ausgeben. Nachdem gegen Pocken inzwischen genügend Impfstoff für die gesamte US-Bevölkerung beschafft worden ist, wendet man sich jetzt dem Milzbrand zu.

Hier besteht das Trauma der bisher ungeklärten Anschläge von 2001, bei denen 22 Menschen mit Sporen infiziert worden und fünf gestorben sind. Würde nur ein Kilo von Anthrax-Sporen in einer US-Großstadt freigesetzt, könnte das zu mehr als 100 000 Todesfällen führen, hat nach Presseberichten eine Studie der National Academy of Sciences ergeben. US-Experten halten daher neue Abwehr-Strategien gegen Anthrax für absolut notwendig.

Mit der jetzt für 877 Millionen US-Dollar bestellten neuartigen Vakzine setzt die US-Regierung beim Anthrax-Schutz aber alles auf eine Karte. Ein einziges Unternehmen wird die Vakzine nur schwer fristgerecht herstellen können, wie auch das aktuelle Desaster bei den Grippe-Impfstoffen zeigt: Weil man sich hier bei der Versorgung auf nur zwei Hersteller verlassen hatte und einer davon wegen Qualitätsmängeln ausgefallen ist, fehlt in den USA in diesem Jahr die Hälfte der benötigten Impfdosen.

Lesen Sie dazu auch:
Millionen-Auftrag für Impfstoff gegen Anthrax

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Stress in der Arbeit, Demenz als Rentner?

Wer sich im Berufsleben sehr gestresst fühlt, baut als Rentner schneller geistig ab. Liegt das tatsächlich an den Arbeitsbedingungen? Forscher sind dieser Frage jetzt nachgegangen. mehr »

Weg mit dem Heilpraktikerberuf!

Die Abschaffung des Heilpraktikerberufes steht im Fokus eines aktuell publizierten Memorandums. Aufgestellt hat die Forderung der neu gegründete "Münsteraner Kreis" um die Medizinethikerin Prof. Bettina Schöne-Seifert. mehr »

Klinikärzte mahnen Diabetes-Screening an

Patienten mit Diabetes müssen länger im Krankenhaus bleiben und haben ein erhöhtes Risiko für Komplikationen. Tübinger Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass ein Diabetes-Screening für über 50-Jährige sinnvoll ist. mehr »