Ärzte Zeitung, 04.01.2017
 

So isst Deutschland

Möglichst fix und fertig

Die Deutschen haben immer weniger Zeit und Lust zum Selberkochen. Für den Nachwuchs wünschen sie sich Kochunterricht an Schulen - gleich wichtig wie Mathematik.

Von Helmut Laschet

Möglichst fix und fertig

© Miflippo/ iStock

Berlin . Um die Kochkompetenz, aber auch um die Lust an der Essenszubereitung der Deutschen ist es schlecht bestellt: Für 55 Prozent ist die einfache und schnelle Zubereitung ein wichtiges Kriterium bei der Kazfentscheidung für Lebensmittel. Dies geht aus einer Forsa-Umfrage unter 1000 Bundesbürgern Im November 2016 hervor, deren Ergebnisse gestern von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt mit dem Ernährungsreport 2017 präsentiert wurden. Im Jahr zuvor erreichte die Präferenz für die einfach und schnelle Küche einen Wert von 45 Prozent.

Besonders ausgeprägt ist die Neigung für fixe Essenszubeitzbg bei Frauen und jungen Menschen: bei den Frauen stieg der Anteil von 46 auf 63 Prozent, in der Altersgruppe der 19 bis 29jährigen wollen 72 Prozent möglichst wenig Zeit verlieren.

Deutlich gestiegen ist dementsprechend die Neigung , gern Tiefkühlpizza oder andere Fertigprodukte zu essen: von 32 Prozent 2015 auf 41 Prozent Ende vergangenen Jahres.

Der Trend zu schnellen Küche und zu Fertigprodukten geht einher mit einer sich verfestigenden Kochunlust der Deutschen: nur noch 39 Prozent (Vorjahr 41 Prozent) kochen täglich selbst. Bei 12 Prozent liegt der Anteil derer, die gar nicht kochen.

Möglicherweise deutet sich aber eine Trenwende an: die Kochbegeisterung junger Menschen zwischen 14 und 18 Jahren ist mit 89 Prozent besonders stark ausgeprägt. 20 Prozent kochen jeden Tag, weitere 28 Prozent zwei- bis dreimal in der Woche.

Eltern trauen sich aber offenbar nicht mehr zu, ihren Kindern die Fertigkeiten des Kochens hinlänglich beizubringen. Neun von zehn Deutschen plädieren für die Einführung von Ernährungsunterricht in der Schule. Dieses Fach solle die gleiche Bedeutung wie die klassischen Hauptfächer Deutsch und Mathematik haben.

Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt erblickt darin einen "klaren staatlichen Auftrag zur Ernährungsbildung". Daüber müssten Gespräche mit den Kultusminustern der Länder geführt werden. Für den 19. Januar kündigte Schmidt die Gründung eines Bundeszentrums für Ernährungsbildung an.

Ein weiterer Schwachpunkt ist die Qualität der Ernährung in Kitas und Schulen. 90 Prozent der Deutschen halten verbindliche Essensstandards für notwendig. Solche Standards sind zwar formuliert, aber nur in Berlin und im Saarland gesetzlich verbindlich gemacht. Rund zwei Drittel der Bürger wünschen sich in Kitas und Schulen Bioessen und würden dafür auch tiefer in die Tasche greifen. Insgesamt etwa 80 Prozent der Deutschen plädieren dafür, das Essen in Kitas und Schulen steuerlich zu begünstigen.

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