Ärzte Zeitung, 01.03.2010

Kommentar

Ein harter, aber richtiger Schritt

Von Christian Beneker

Der Schock war groß, als in Bremen 2006 das Kind Kevin durch Schläge seines Vaters starb. Seither wurde viel diskutiert und einiges in der Fürsorge gefährdeter Kinder verbessert. Jetzt plant der Senat, die Pflichtobduktion für alle tot aufgefundenen Kinder unter sechs Jahren einzuführen. Es geht um Kinder, die nicht unter Vorerkrankungen litten und keine äußeren Verletzungen zeigen. Der Schritt ist hart, aber er ist richtig.

Zu Recht wendet der Kinderschutzbund ein, dass den traumatisierten Eltern eine weitere Belastung zugemutet wird. Dass die Eltern aber unter Generalverdacht gestellt werden, stimmt nicht. Denn der Schatten des Verdachts bleibt nur dann, wenn die Ungewissheit bleibt, nicht aber, wenn Gewissheit herrscht. Und die Gewissheit, was tatsächlich zum Tode des Kindes geführt hat, dürfte auf lange Sicht die Härte einer Obduktion mindestens ausgleichen.

Allerdings: Die Bremer Regelung wird keinen Täter abschrecken. Denn vermutlich sind Misshandlungen keine planvollen Tötungen. Vielmehr schlagen hier überforderte, unkontrollierte, unter Umständen süchtige Menschen aus dem Affekt heraus zu. Würde die Angst vor Entdeckung sie stoppen? Nein. Eher noch die kontinuierliche Kontrolle und Begleitung durch die Behörden.

Lesen Sie dazu auch:
Bremen plant Obduktionspflicht bei Kindern

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Debakel für ASS

Acetylsalicylsäure schützt Ältere nicht vor Herz-Kreislauferkrankungen - im Gegenteil: Ihr Sterberisiko ist erhöht. Mit diesem Ergebnis überrascht die ASPREE-Studie. mehr »

Junge sind besonders depressionsgefährdet

Der Alltag junger Menschen birgt hohe Risiken für Depressionen. Ärzte warnen: Die Gefahr der Chronifizierung ist groß. mehr »

Allergien machen Kindern zu schaffen

Allergien, psychische Störungen und Unfälle bleiben die häufigsten Risiken für chronische Krankheiten von Kindern. Vor allem Asthma, Heuschnupfen und Neurodermitis beeinträchtigen den Nachwuchs. mehr »