Ärzte Zeitung, 07.11.2011

Künftig Haarproben für Bremens Substitutionspatienten

Der Runde Tisch Substitution der Hansestadt hat einen verschärften Maßnahmenkatalog entwickelt.

BREMEN (cben). Bremen will Substitutionspatienten stärken kontrollieren. Unter anderem die routinemäßige Alkoholkontrolle und Überweisung an die Drogenberatung gehören zu einem Maßnahmenkatalog, den der Runde Tisch Substitution in Bremen vorgelegt hat.

Jeder substituierende Arzt soll seine Patienten an die Drogenhilfe überweisen, um den psychosozialen Hilfebedarf zu ermitteln, so das Gremium. Urin- und Atemalkoholkontrollen werden um Haaranalysen ergänzt, hieß es weiter - besonders bei Patienten mit Kindern.

Nur bei null Promille ein Drogensubstitut

Nur wenn die Patienten null Promille Alkohol haben, dürfen sie in Zukunft ein Drogensubstitut erhalten. Außerdem ist ein Leitfaden für Apotheken geplant. Er soll Apotheker unterstützen, etwa Mehrfachverschreibungen zu erkennen und damit das Ärzte-Hopping von Substituierten zu unterbinden.

Eine Kooperationsvereinbarung der "Akteure aus Jugend- Sozial, und Gesundheitshilfe" soll die Kinder der Patienten schützen. Die Vereinbarung wird verbindliche Absprachen, Kooperation und Verantwortlichkeiten im Versorgungssystem umfassen, hieß es. Ein gemeinsames Konzept soll die Entbindung von der Schweigepflicht und den Datenschutz regeln.

"Forderungen gehen nicht über die Gesetzeslage hinaus"

Nach Angaben von Anton Bartling, Referent im Bremer Gesundheitsressort, "gehen die Forderungen nicht über die Gesetzeslage hinaus". Dr. Jörg Hermann, Chef der KV Bremen, sagte, die Empfehlungen "bündeln ein Mosaik der verschiedenen Gesetze und Richtlinien und sind so wohl nur im kleinen Bremen umsetzbar."

Der "Runde Tisch Substitution" wurde im April 2011 eingesetzt, nachdem in den Haaren Bremer Kinder aus Familien mit Elternteilen, die substituiert werden, Drogenspuren gefunden wurden. Nach Angaben Bartlings werden in Bremen rund 1800 Drogenabhängige von 65 Ärzten substituiert (Stand Oktober 2010); das sind ein Drittel der Drogensüchtigen in Bremen.

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