Ärzte Zeitung, 18.06.2012

Hausärzte auf dem Weg zu Teamplayern

Auf dem Weg vom Einzelkämpfer zum Teamplayer

Der Vernetzung der Gesundheitsberufe gehört die Zukunft, sagen Wissenschaftler und Ärztevertreter.

BERLIN (wul). Die Bedeutung der hausärztlichen Versorgung wird in der Zukunft zunehmen.

"Die Zahl der multimorbiden Patienten wächst. Die hausärztliche Praxis bietet die besten Voraussetzungen, die Langzeit-Behandlung mehrerer Erkrankungen optimal zu koordinieren", sagte Professor Attila Altiner, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin der Universitätsmedizin Rostock, beim Hauptstadtkongress in Berlin.

Diese Ansicht vertritt auch Burkhard John, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Sachsen-Anhalt. "Nur ein Allgemeinmediziner kann multimorbide Patienten adäquat behandeln", sagte er.

Die Beziehung zwischen Hausarzt sei nach wie vor durch eine Kontinuität gekennzeichnet. Oft behandle ein Hausarzt mehrere Generationen einer Familie gleichzeitig, ein solches Verhältnis versetze den Hausarzt in die Lage, Vorerkrankungen sowie familiäre und soziale Risikofaktoren in der Behandlung zu berücksichtigen.

Auch aus wirtschaftlicher Sicht bringe die hausärztliche Versorgung der Gesellschaft Vorteile. Nach Ansicht von Professor Altiner und KV-Chef John ist sie nicht nur kostengünstiger, sie kann auch Fehlversorgung verhindern.

"Hausärzte werden auch als Koordinatoren gebraucht", sagte John bei der Veranstaltung "Hausarzt der Zukunft" auf dem Hauptstadtkongress in Berlin.

Keinen Bedarf an Hausärzten als Koordinatoren sieht dagegen der (Noch-)Vorstand des Verbandes der Ersatzkassen (vdek) Thomas Ballast. Er wechselt im Juli zur Techniker Krankenkasse.

Nachholbedarf bei der Vernetzung

"Es geht nicht darum, den Hausarzt als erste und einzige Anlaufstelle zu etablieren, sondern die hausärztliche Versorgung als eine der Wahlmöglichkeiten zu erhalten und dauerhaft zu sichern", sagte Ballast.

Gesetzlich Versicherte seien sehr wohl in der Lage, sich für ein für sie passendes Angebot zu entscheiden.

In der Hausarztpraxis der Zukunft ist der Hausarzt kein Einzelkämpfer mehr, sondern ein Teamplayer. Er werde nicht nur mit ärztlichen Kollegen, sondern auch mit seinen Medizinischen Fachangestellten enger zusammenarbeiten müssen. Darüber waren sich alle Beteiligten dann doch einig.

"Den Teams aus Ärzten und besonders qualifizierten medizinischen Angestellten, an die dann bestimmte Aufgaben delegiert werden, gehört die Zukunft der Versorgung", zeigte sich KV-Chef John überzeugt.

Die Einzelpraxis wird nach Ansicht der Fachleute dennoch nicht aussterben. "Aber sie wird künftig besser vernetzt sein, und zwar nicht nur in der Telemedizin, sondern vor allem interkollegial", prognostizierte Professor Altiner.

Allerdings seien die Strukturen für einen akademischen Austausch unter Allgemeinmedizinern nach Einschätzung des Wissenschaftlers noch zu schwach ausgeprägt.

Bei der Vernetzung der Hausärzte sieht auch der vdek-Vorstand Ballast einen großen Nachholbedarf. Bisher würden die Praktiker die Möglichkeiten zur Vernetzung in Gemeinschaftspraxen oder Ärztenetzen nur unzureichend nutzen.

Damit aber ließen sich Hausärzte die Vorteile größerer Strukturen wie beispielsweise die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie entgehen.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wann das Smartphone für Kinderaugen gefährlich wird

Kleine Kinder sollten lieber mit Bauklötzen spielen als mit Smartphones, raten Augenärzte. Denn: Wenn die Kleinen häufig und lange auf Bildschirme starren, leiden nicht nur ihre Augen. mehr »

Quereinstieg zum Hausarzt – reicht ein Jahr Weiterbildung?

Der Deutsche Hausärzteverband warnt vor einer Verwässerung der Weiterbildung zum Allgemeinmediziner. Ein Jahr Weiterbildung reiche nicht für Umsteiger aus der Klinik. mehr »

Auf Zungenküsse besser verzichten?

Zungenküsse erhöhen offenbar das Risiko für HPV-Infekte und damit auch für Mund-Rachen-Tumoren. US-Experten haben sich das Krebsrisiko jetzt einmal genauer angesehen. mehr »