Ärzte Zeitung, 03.11.2016

Wirtschaftsweise

Mehr Markt für die Gesundheit!

Deutschland hat in der ablaufenden Legislaturperiode Reformmöglichkeiten verschenkt – so die Bilanz des Wirtschafts-Sachverständigenrats.

BERLIN. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und kostensteigernder Wirkungen des medizinischen Fortschritts warnen die fünf Wirtschaftsweisen vor Risiken durch Ineffizienzen in der Gesundheitsversorgung. Der Sachverständigenrat hat am Mittwoch sein Jahresgutachten an Kanzlerin Angela Merkel (CDU) übergeben.

Notwendig ist demnach eine Stärkung der Vertragsfreiheit durch mehr Selektivverträge, den Übergang zu einer monistischen Finanzierung der Kliniken, die Wiedereinführung einer zielführenden Praxisgebühr, die Aufhebung des Fremd- und Mehrbesitzes von Apotheken und die Ausdehnung von Kosten-Nutzen-Analysen im Arzneimittelbereich auf die alternative Medizin.

Das EuGH-Urteil zu Apothekenrabatten könne mehr Wettbewerb ermöglichen. Erneut empfiehlt der Rat die Einführung einer Bürgerpauschale mit integriertem Sozialausgleich.

Die Reformpolitik der ausgehenden Wahlperiode sehen die Ökonomen als wenig ambitioniert, ja sogar rückwärtsgewandt, etwa in der Rentenpolitik. Angesichts der Ungleichheitsdebatte stellt der Rat fest, dass Ungleichheit in Deutschland im vergangenen Jahrzehnt "im Großen und Ganzen unverändert geblieben" ist.

Die Politik müsse den Fokus auf Chancengleichheit legen: Qualifikation durch Bildung, insbesondere auch bei der Integration von Flüchtlingen, Flexibilisierung und Deregulierung im Arbeitsmarkt.

Eine verbesserte Qualifikation erhöhe die Arbeitsmarktchancen gerade angesichts von Digitalisierung und Globalisierung, vor allem am unteren Ende der Qualifikationsskala. "Lebenslanges Lernen muss eine Selbstverständlichkeit werden", mahnt der Rat. (HL)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Bekommen Kinder O-Beine durch Sport?

Zu O-Beinen neigen offenbar viele Kinder, die bestimmte Sportarten betreiben. Dabei wirkt die einseitige Druckbelastung im Knie als Wachstumsbremse, vermuten Forscher. mehr »

Neue Leitlinie zum Kopfschmerz durch Schmerzmittel-Übergebrauch

Schmerzmittel können vorbestehende Kopfschmerzen verstärken und chronifizieren - wenn man sie zu oft, zu lange oder zu hoch dosiert einnimmt. Eine neue Leitlinie zeigt auf, wie Ärzte solchen Patienten helfen können. mehr »

Nicht nur zu viel LDL-C ist schädlich

Atherosklerose entsteht offenbar nicht nur, wenn zu viel LDL-Cholesterin im Blut zirkuliert. Der Aufbau der Partikel scheint ebenfalls eine wichtige Rolle zu spielen – und hier lässt sich therapeutisch eingreifen, wie Wissenschaftler zeigen. mehr »