Hausärzteverband

KVen aus Selektivverträgen bannen

Über zwei Wege will der Hausärzteverband seine Tarifautonomie stärken: Anreizsysteme für HzV- Patienten und eine gesetzliche Regelung, die die KVen aus den Selektivverträgen ausschließt.

Von Raimund SchmidRaimund Schmid Veröffentlicht:

BAD ORB. Die Teilnehmerzahlen in der Hausarztzentrierten Versorgung (HzV) sind zwar nach Darstellung des Hausärzteverbands-Vorsitzenden Ulrich Weigeldt "über die Jahre stetig im knappen zweistelligen Bereich" gestiegen. Bei der der practica 2016 in Bad Orb forderte der Hausärzteverband dennoch ein Monopol für Selektivverträge.

Denn nach Ansicht von Hauptgeschäftsführer Eberhard Mehl könnten die hausärztlichen Interessen angesichts der Dominanz der Fachärzte und neuerdings auch von deutlich mehr angestellten Ärzten in der Selbstverwaltung immer weniger durchgesetzt werden. Daher sei es dringend nötig, die Tarifautonomie des Hausärzteverbandes zu stärken und weitere Anreize zu schaffen, um noch mehr Hausärzten und Patienten die Selektivverträge schmackhaft zu machen. Denkbar seien etwa Zuzahlungsbefreiungen von Arzneikosten oder vergünstigte Wahltarife für Versicherte, wenn sich diese in Selektivverträge einschreiben.

Im Gespräch mit der Ärzte Zeitung forderte Mehl in Bad Orb im Hinblick auf die Bundestagswahl zudem gesetzliche Regelungen, die die KVen komplett aus dem Selektivvertragsgeschäft ausschließen. Das würde das Aus der Add-on-Verträge bedeuten. Künftig sollte es aus Sicht des Verbandes nur noch Angebote der Regelversorgung und HzV-Vollversorgungsverträge geben. In diese sollten dann aber mehr und mehr die Fachärzte einbezogen werden. Vorbild hierfür könnten die bereits gut funktionierenden Facharztverträge in Baden-Württemberg oder auch die vom Hausärzteverband initiierten Versorgungslandschaften (zum Beispiel Rheuma) sein. Laut Mehl beinhalten diese Modelle "komplette Steuerungsmodule", von denen auch die Fachärzte profitieren.

Beim "berufspolitischen Oktoberfest" des Hausärzteverbandes gab es zum ersten Mal kaum kritische Stimmen zur HzV. Monika Buchalik etwa, Vizepräsidentin der Landesärztekammer Hessen, sah lange Zeit die Selektivverträge kritisch, ist nun aber von der HzV überzeugt, weil es den Hausärzten damit "richtig gut geht." "Bei KV-Patienten denke ich an Ausschluss und Abrechnung, bei HzV-Patienten an Medizin und Versorgung", brachte der hessische Delegierte im Hausärzteverband Dr. Klaus Meyer die Stimmung der rund 1100 practica-Teilnehmer beim Oktoberfest auf den Punkt. Seite 2

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