Ärzte Zeitung online, 07.12.2018

Größte Betriebskrankenkasse in NRW

Viactiv legt zu und senkt Zusatzbeitrag

Betriebskrankenkasse will reduzierten Zusatzbeitrag bis 2021 beibehalten. Auch wenn er weiter über dem Mittelwert liegt, hofft sie auf Wettbewerbsvorteile.

Von Ilse Schlingensiepen

KÖLN. Gute Nachricht für die Mitglieder der Krankenkasse Viactiv. Die Betriebskrankenkasse (BKK) senkt ihren Zusatzbeitrag zum 1. April 2019 um 0,5 Prozentpunkte auf 1,2 Prozent. Damit liegt die Bochumer Kasse zwar immer noch über dem durchschnittlichen Zusatzbeitrag für 2019 von 0,9 Prozent, der Abstand hat sich aber deutlich verringert.

Das Bundesversicherungsamt muss den neuen Beitragssatz von 15,8 Prozent noch genehmigen. Der Vorstandsvorsitzende Reinhard Brücker geht aber davon aus, dass die Aufsicht keine Einwände hat. Viactiv ist die größte BKK in Nordrhein-Westfalen und die drittgrößte bundesweit. Sie hat mehr als 700.000 Versicherte und 540.000 Mitglieder.

„Wir haben den Beitragssatz so kalkuliert, dass wir ihn bis 2021 konstant halten können“, sagt Brücker der „Ärzte Zeitung“. Ermöglicht haben die Beitragssatzsenkung nach seinen Angaben neben der guten Konjunktur vor allem eine Verschlankung der Prozesse und ein stringentes Kostenmanagement.

Bei den Kosten steht vor allem der stationäre Sektor im Fokus. Durch die Abrechnungsprüfung holt die Viactiv jedes Jahr 3 bis 3,5 Prozent der stationären Ausgaben oder 30 Millionen Euro netto zurück. Das entspreche zwei Zehntel des Beitragssatzes, betont er. „Es handelt sich hier nicht um Marginalien.“

Der Zusatzbeitrag der Viactiv liegt zurzeit 0,7 Punkte über dem durchschnittlichen Wert. Drei Zehntel dieser Überschreitung seien auf den morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich (RSA) zurückzuführen. Ein Zehntel mache dabei aus, dass die Kasse über den Zusatzbeitrag hohe Mittel an den Gesundheitsfonds abliefere, aber nur den durchschnittlichen Zusatzbeitrag erhalte, erklärt Brücker.

Ein weiteres Zehntel sei der Tatsache geschuldet, dass die Kasse überdurchschnittlich hohes Krankengeld zahle, über den RSA aber nur die durchschnittlichen Summen zurückbekommt. „Wir haben eine massive Unterdeckung.“ Ein weiteres Zehntel entfalle auf den Regionalisierungseffekt. Brückers setzt auf die RSA-Reform. „Alles was passieren wird, wird für uns von Vorteil.“

Vom abgesenkten Zusatzbeitrag erhofft er sich eine bessere Position im Wettbewerb der Krankenkassen. Allerdings war das Abschneiden in den vergangenen Jahren trotz des hohen Beitragssatzes auch nicht schlecht, berichtet der Kassenchef. „Wir konnten sogar zulegen.“

Der Kasse, die auf mehr als 100 Fusionen zurückblickt, ist es seiner Einschätzung nach gelungen, sich unabhängig von den früheren Trägerunternehmen als Marke zu positionieren – „mit hohem Preis, aber auch mit attraktiven Leistungen“. Gerade die Aktivitäten in der betrieblichen Gesundheitsförderung und dem betrieblichen Gesundheitsmanagement machten sich bezahlt. Betreuungsstrukturverträge hat die Kasse nach Angaben Brückers nie geschlossen. Auch das habe zu den Problemen beigetragen. Gemessen an der Morbidität der Versicherten habe die Viactiv im Vergleich zu anderen Kassen eine schlechtere Kodierung der für die Versicherten erbrachten Leistungen. „Dadurch fehlen uns Einnahmen.“

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich
[07.12.2018, 10:36:33]
Dr. Carl Scherer 
Die sollen mal lieber endlich im HZV mitmachen
Die Kasse hat sich bisher immer erfolgreich verweigert .
Genauso wie die Bahn BKK . zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wie man trotz Plätzchen den Kilos trotzt

Ein Lebkuchen hier, ein Dominostein da und dann noch die fette Weihnachtsgans. Forscher geben studiengeprüfte Tipps gegen den üblichen Gewichtszuwachs an den Feiertagen. mehr »

Psychotherapeuten werfen der Koalition Diskriminierung vor

15:07Die Psychotherapeuten laufen Sturm gegen das TSVG. Sie fordern gleiche Rechte für ihre Patienten. mehr »

Prostatakrebs immer früher entdeckt

Im Vergleich zu den 1990er Jahren wird das Prostatakarzinom bei Männern unter 50 Jahren heute bereits in früheren Stadien diagnostiziert. Darauf deuten Studienergebnisse hin. mehr »