Ärzte Zeitung online, 19.12.2018

Abrechnungsdaten belegen

35 Prozent Zunahme bei Asthma seit 2009

Forscher haben über mehrere Jahre Abrechnungsdaten ausgewertet – einige Befunde überraschen.

BERLIN. Die Häufigkeit von Asthma bronchiale hat in Deutschland seit 2009 bei Erwachsenen zugenommen, bei Kindern und Jugendlichen hingegen nicht. Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) hat vertragsärztliche Abrechnungsdaten im Zeitraum von 2009 bis 2016 untersucht und dabei einen Anstieg um 35 Prozent festgestellt. Datengrundlage für die Untersuchung war die Gesamtheit der knapp 71 Millionen GKV-Versicherten, so dass etwa 87 Prozent der Gesamtbevölkerung erfasst wurden.

Eingeschlossen in die Prävalenzberechnung wurden nur Patienten, bei denen Asthma in mindestens zwei unterschiedlichen Quartalen eines Kalenderjahres codiert wurde. Im Jahr 2016 wurde nach dieser Falldefinition bei 4,03 Millionen Patienten Asthma diagnostiziert. Das entspricht einer Diagnoseprävalenz von 5,76 Prozent. Im Jahr 2009 lag diese noch bei 4,42 Prozent oder 3,12 Millionen Patienten. Bei Kindern und Jugendlichen hingegen war fast keine Zunahme im genannten Zeitraum festzustellen. Die Prävalenz nahm von 4,9 auf 5,13 leicht zu, die absolute Zahl betroffener Patienten sank geringfügig um rund 3000 auf knapp 625.000. In bisherigen Untersuchungen dagegen variierte die Asthma-Prävalenz bei unter 18-Jährigen zwischen drei bis zwölf Prozent. Ganz überwiegend bildeten dabei aber Befragungen der Eltern die Datengrundlage. Das gilt im Fall von Asthma auch für die bundesweite KiGGS-Studie.

Die Wissenschaftler des Zi interpretieren den Anstieg bei Erwachsenen im Sinne einer „tatsächlichen Zunahme der Erkrankungs- und Versorgungslast“. Strukturelle Effekte, etwa durch eine veränderte Codierung, könnten zwar nicht völlig ausgeschlossen werden. Doch der Einfluss des Morbi-RSA gilt in diesem Fall als gering. Zwar gehörte Asthma in den Jahren 2009 bis 2012 – und danach nicht mehr – zur Liste der 80 Erkrankungen, die im Ausgleich finanziell besonders berücksichtigt werden. Doch der Anstieg der Diagnoseprävalenz verlief im gesamten Untersuchungszeitraum kontinuierlich.

Neuland betreten haben die Forscher mit der Analyse kleinräumiger, regionaler Unterschiede bei Prävalenz und Inzidenz. Das Zi konnte zeigen, dass es zwischen den Bundesländern keine ausgeprägten Prävalenzunterschiede gibt. Tendenziell sind die Werte im (Nord-)Westen höher als im Osten und Süden.

Auf Kreisebene hingegen variieren die Zahlen um den Faktor 3. Der niedrigste Wert wurde mit 3,0 Prozent in Schwäbisch Hall, der höchste in Eisenach mit 8,9 Prozent beobachtet.

Gründe für die starken regionalen Unterschiede können die ZI-Forscher auf Basis ihrer Daten nicht angeben. Neben der Codierqualität könne die regionale unterschiedliche Teilnahme am Disease-Management-Programm Asthma ein beeinflussender Faktor sein. Zusammen mit der heterogenen Versorgungsdichte von Haus- und Fachärzte könne sich auf die Diagnosehäufigkeit auswirken. (fst)

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